altemaelze

Alchemy

Todd Thibaud

Kaum leise, nachdenkliche, akustische Americana-Töne, sondern lauter, voll elektrischer Gitarrenrock!

Erstmals seit der Band-Tour im Jahr 2013 wird es wieder lauten, voll elektrischen Gitarrenrock zu hören geben – neben dem Meister selbst an der elektrischen Rhythmusgitarre sind wieder Thomas Juliano an der Lead-Gitarre und Sean Staples an der Mandoline und E-Gitarre mit dabei, weiterhin Ed Valauskas am Bass sowie Chris Anzalone am Schlagzeug. Die Todd Tibaud Band ist ab Mitte April „on the road“ in der Republik, um das neue Album „Alchemy“ mit seinem lauten, dynamischen Sound, den süffigen Gitarrenläufen und rockigen Bandarrangements vorzustellen.

Schon der Opener ‚Follow‘ gibt klar den Kurs der folgenden 37 Minuten vor: drei krachig-laute, dabei hochmelodisch singende Stromgitarren über einem stark akzentuiertem Rockbeat, bei dem besonders das dynamische Schlagzeug sehr in den Vordergrund gemischt ist und direkt auf die Trommelfelle klopft. Thibaud’s bekannt samt-rauer, einnehmender Leadgesang sowie permanente vier-und-mehrstimmige Harmoniesätze sorgen für frühe Glückseligkeit. ‚Fight Or Flight‘ ist ein kompromissloser hard rocking Power Song mit singenden, treibenden Gitarren und einem direct-in-your-face Punch von der Rhythm Section. ‚Burn‘ besticht durch unwiderstehliche Riffs und gnadenlose Hooklines. Das ist nichts anderes als Kickass-Rock’n Roll in Reinkultur! ‚Farewell, So Long‘ startet als knapper 60s-style Garagenrocker, um in einem episch breiten Refrain zu münden, hier ausnahmsweise heftig unterstützt von analogen Keyboards wie Chamberlin und Pump Organ. Erst in der Albummitte verortet sich die erste und bis zum Ende einzige (!) langsamere Balladennummer: Mit dieser soulig dichten Begleitung von tighter Rhythm Section, flächigen E-Pianos und genau den richtigen Steve Cropper-Gedächtnis-Gitarrenlicks würde ‚Wait For Me‘ auf jeden Muscle Shoals-Sampler passen. ‚Alchemists‘ fetzt dann wieder mit galoppierenden Drums und offensiven, dabei melodischen E-Gitarren, satten Harmony Vocals inklusive – irgendwo angesiedelt zwischen Westcoast Pop der 80er und Boston Indie Rock der 90er (etwa Fleetwood Mac trifft auf Lemonheads). Nahezu Hard Rock-ähnliche Powerriffs hat danach ‚Savior‘ zu bieten während ‚Good Things Now‘ mit lockerem Sixties-Flair, Surfgitarre, Banjo-Untertönen und tropikalen Percussion-Grooves punktet. Auf ‚Mother Comfort‘ wird klassischer Guitar Power Pop zelebriert mit allen genretypischen Zutaten von catchy Guitars bis zum mehrstimmigen Chor. Und auch zum Finale wird keine Spur nachgelassen: Wie eine schwergeölte Einheit rollt die Todd Thibaud Band hochelektrisiert ins unendliche Rock-Firmament von ‚Heaven’s On The Move‘. Die neuen Stücke erinnern durchaus an frühere Großtaten von „Favorite Waste Of Time“ (1997) und „Northern Skies“ (2004) oder gar an die kultigen Courage Brothers, Thibauds erster Profiband aus den frühen 90ern! Das ist Musik mit einem klaren Pop/Rock-Auftrag und einem erstklassigen Mix zwischen Westcoast, Heartland & Prairie Rock auf Basis von handfestem Singer/Songwritertum und jenem melodieseligen Indie Roots/Guitar Pop, der mal in den 90ern von solchen längst vergessenen Bands wie Vigilantes Of Love, Gathering Field, Floating Men, Swinging Steaks, Cravin‘ Dogs und nicht zuletzt den Courage Brothers erfunden wurde. Oder auch gerne ein paar Nummern größer: „Alchemy“ besitzt die Grundtugenden all der Heartbreakers, Wallflowers, Jayhawks, BoDeans und Gin Blossoms mit einer ordentlichen Prise Springsteen/Mellencamp/Hiatt & Co. Aber das Endergebnis trägt natürlich die deutliche Handschrift Todd Thibaud’s! Es lohnt sich also, am 22. April ins „K4“ in Nürnberg zu kommen, wo die Band das einzige Konzert in Bayern spielt auf dieser Tour durch die Republik. Schade, das Todd & die Band nicht ins VAZ oder den „Airport“ kommen. (Blue Rose Records) BRR

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