In Händels Barockoper, erstmals aufgeführt 1735 in London, ist die Titelfigur Alcina eine Zauberin, die ihre Liebhaber mit der Aussicht nach einem unkonventionellen Leben auf ihre Insel lockt, von der es keine Rückkehr mehr gibt.

In der Inszenierung von Manuel Schmitt und der Dramaturgie von Ronny Scholz erkauft sich der Adelige Ruggiero den Eintritt in diese Welt der Lüste und des Vergessens mit einer geheimnisvollen Karte, schluckt eine bittere Pille und ist ab diesem Moment dem Zauberbann von Alcina hoffnungslos erlegen, hat jegliche Erinnerung an sein früheres Leben verloren. Auf der Suche nach ihrem Geliebten Ruggiero begeben sich Bradamante und ihr Vertrauter Melisso in das Reich von Alcina und werden von Morgana, Alcinas Schwester, in eine düstere, dunkle Welt eingelassen. Dort versuchen sie, Ruggiero zu wecken und ihn an seine Verlobte Bradamante und sein früheres Leben zu erinnern. Der Bann Alcinas scheint unüberwindbar zu sein, doch als Ruggiero den Ring von Bradamante erkennt, gewinnt er sein Bewusstsein wieder. Aber die Rückkehr in die reale Welt ist nicht einfach, und erst, als sie den Entschluss fassen, Alcina zu töten, löst sich der Zauberbann.

Die Welt der Alcina ist in der Regensburger Fassung ein düsteres Gefängnis, zeigt sich so gar nicht als Ort von Ausschweifung und überbordendem Prunk der Barockoper. Lediglich einige Schampus-Flaschen auf dem Tisch sind in dieser dystopischen Umgebung ein Hinweis auf Lust und Laster der Figuren. In einem Labyrinth aus dunklen raumhohen Elementen, die auf der Drehbühne in beständig sich verändernde Räume umgestaltet werden, Türen, die wieder in weitere dunkle Räume führen, entsteht eine bedrückend kafkaeske Welt, in der Ruggiero neben weiteren abgelegten Liebhabern Alcinas gefangen ist. In diesem kalten Reich bringt die barocke Musik Händels, feinfühlig und dynamisch präsentiert vom Philharmonischen Orchester unter Leitung von Andreas Kowalewitz, Spannung und Emotion, zuweilen allerdings auch Länge, bedingt durch die umfangreichen Da-capo-Arien im ersten Teil. Als nach der Pause der Cellist Thomaz Skweres auf der Bühne die Arie Morganas mit seinem Instrument begleitet, entsteht echtes Gänsehaut-Feeling, Scarlett Pulwey besingt ihre verlorene Liebe zu Oronte (Konstantin Igl) bezaubernd schön. Kirsten Labonte verzaubert als Alcina in der Rolle der eiskalten Prinzessin, Rahel Brede beeindruckt als Ruggiero, Polina Artsis zeigt Gefühl und Energie als Bradamante, Jonas Atwood als Melisso ist ein würdevoller Mahner.

Am Ende bleibt doch ein seltsam verlorener Eindruck zurück – die Eisprinzessin ist tot, Ruggiero gerettet. Dennoch kein Jubel über die glückliche Befreiung, das kalte Reich der Zauberin lässt sie wohl nicht mehr los. Die Frage, wie nach der Zeit des Rausches das Leben weitergehen soll, bleibt ungeklärt. (Arm)
Fotokredit: Theater Regensburg
Weitere Aufführungen am 27.3., 2.4., 10.4., 24.4., im Mai, Juni und Juli, Einführung jeweils ab 19.00 Uhr


