Der amerikanische Regisseur Richard Linklater erzählt in seinem Film „Nouvelle Vague“ die Entstehungsgeschichte von Jean-Luc Godards „Außer Atem“. Und die ist noch wilder als der Film selbst. Von Beginn an ist klar: „Nouvelle Vague“ ist kein typischer Film von Linklater, und zugleich eine Essenz dessen, was seine Arbeit seit jeher ausmacht. Der Texaner, der mit Werken wie „Boyhood“, „Before Sunrise“ und zuletzt „A Killer Romance“ immer wieder neue filmische Formen für Zeit, Erinnerung und Identität gefunden hat, nähert sich diesmal einer der großen Ikonen des Weltkinos: Jean-Luc Godards „Außer Atem“, jenem radikal frei montierten Debüt, das 1959 zur Geburtsstunde der neuen französischen Welle wurde. Dabei fließen Vergangenheit und Gegenwart ineinander. Linklater hat eine fabelhafte Hommage an die Nouvelle Vague gedreht: überwiegend auf Französisch, in edlem Schwarz-Weiß und im klassischen 35-mm-Format. Er erzählt nach einem Drehbuch von Holly Gent und Vince Palmo die Entstehungsgeschichte von Godards Meisterwerk „Ausser Atem“(À bout de souffle) nach, das 1959 in nur 23 Drehtagen entstand. Guillaume Marbeck verkörpert Godard als Künstler, der regelrecht besoffen ist von seiner eigenen Genialität. Er strapaziert die Nerven und die Geduld der Welt um sich herum – speziell die der US-Schauspielerin Jean Seberg (Zoey Deutch), die zusammen mit Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) eines der berühmtesten Paare der Filmgeschichte erschafft. Das ist nicht nur ein Film für Cineasten, sondern wegen seiner humorvollen Akzente ein Werk fürs große Publikum. Neben künstlerischem Anspruch ist wohl auch ein Quäntchen biografisch begründete Motivation im Spiel. Godard war 29, als er „Ausser Atem“ drehte; Linklater war 29, als er sich 1990 mit „Slacker“ einen Platz in der ersten Liga des amerikanischen Independent-Kinos erarbeitete. Läuft bereits im Kino.



