altemaelze

Cautionary Tales

Last Plane Out

Frischer Wind im melodischen Crossover-Pop-Prog-Genre aus Schweden

Album #2 des schwedischen Prog Lite Duos Last Plane Out (bestehend aus Anders Lundquist, seines Zeichens Musikjournalist, Texter und Gitarrist, sowie Nils Erikson, der alle weiteren Instrumente spielt) „Cautionary Tales“ sollte allen Fans von Spock’s Beard, Transatlantic, Flower Kings, früheren Genesis, Fish solo bzw. Marillion mit H am Mikro, Peter Gabriel, Pink Floyd, Jethro Tull, Alan Parsons Project oder auch IQ munden. Schön warm produziert (vermutlich von Nils Erikson) ist die musikalische Ausrichtung der gut 37 Minuten eher mellow. Heißt nichts anderes als das hier nichts so wirklich übermäßig flott rockt. Natürlich gibt es nicht nur ruhige und balladeske Moment, ab und darf auch mal die Gitarre etwas forscher zupacken wie beim Asia zu Aqua Zeiten klingenden „Step out Tonight“ mit feinem Chor Gesang. Der Einstieg in die Scheibe “Young at Heart“ weckt Assoziationen zu Genesis mit Peter Gabriel am Gesang und Abba auf deren letzten Album vor einigen Jahren im Refrain. Ruhige Marillion laden bei „Break the Chain“ zum entspannten Zuhören ein, während der Titelsong mit Streichern Peter Gabriel zitiert. Pink Floyd mit etwas Jethro Tull Flöten höre ich bei „Silver and Gold“ heraus während „All Fools‘ Day“ und vor allem das mittelalterlich angehauchte „Four hundred Days“ auch auf dem ersten Solo Album „Vigil in the Wilderness of Mirrors“ von Fish stehen könnte und dort zu den Highlights zählen würde. Letzterer Song hört sich übrigens ziemlich ähnlich wie „The Company“ mit seinen beschwingten Refrains an. „What if“ ist auch etwas flotter unterwegs (Neal Morse Band lässt grüßen), während es dann beim Abschlusssong, die mit fast fünf Minuten längste Nummer, „The Butterfly Effect“ sehr ruhig wird. Nur von Klavier und Streichern getragen glaube ich hier Billy Joels „Piano Man“ mit Sting herauszuhören. Es gibt einen netten Alto Saxophon Part (gespielt von Klara Schmidtz), der irgendwie an Jethro Tull denken lässt und ein weiteres schönes Gitarrensolo zum Ausklang. Eine richtig tolle Platte, auch wenn das selbstbetitelte Debüt von 2024 etwas rockiger zu Werke geht. Wer Prog über ellenlange Songs definiert, liegt hier dann eher nicht richtig. Alle anderen, die richtig starke Musik zum gemütlich im Sessel genießen, suchen, greift eigentlich sofort zu. Von meiner Seite gibt es fünfeinhalb Sterne (sechs Sterne bekommt das Debüt) für eine Scheibe, die wie das Debüt auch leider zum einen nur schwer zu bekommen ist und zum anderen nur auf Vinyl bzw. als Digital Download veröffentlicht wurde. Sollte man sich anhören im bandeigenen YouTube Kanal wo es beide Alben komplett gibt. Vielleicht findet sich ja noch ein größeres Label und veröffentlicht das Werk des Duos auch bei uns. (S-Rock Records) HJH

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