altemaelze

A Pound of Feathers

The Black Crowes

Inspiration trifft Spielfreude

2024, nach 16 Jahren ohne ein Studioalbum mit eigenem Material, gelang den Black Crowes etwas Seltenes: ein neues Album, auf dem die Band so vital wie seit ihrem Nummer-1-Hit „The Southern Harmony and Musical Companion” aus dem Jahr 1992 nicht mehr geklungen hatte. Ein Großteil der Diskussionen rund um „Happiness Bastards“ drehte sich damals um die Wiedervereinigung von Chris und Rich Robinson, den oft zerstrittenen Brüdern, deren anhaltende Streitigkeiten die Band für einen Großteil der 2010er Jahre inaktiv gemacht hatten. Die erneuerte Freundschaft und eine aufgefrischte Besetzung beflügelten nicht nur die Robinsons, sondern auch ihre Musik. Auf ihr erfolgreiches Comeback vor zwei Jahren folgt nun das neue Album „A Pound Of Feathers“, erneut voller Inspiration und Spielfreude. Anfang 2025 kehrten die Brüder nach Nashville zurück, um erneut mit Produzent Jay Joyce zusammenzuarbeiten und den Funken wiederzubeleben, der ihr letztes Album so erfolgreich gemacht hatte. Wie schon der Vorgänger ist auch dieses neue Werk ein kraftvolles Stück Rock’n’Roll. Komplett handgemacht und durchdrungen von zeitlosem R&B hat sich nicht viel geändert: Die Riffs klingen immer noch wie eine Mischung aus den Rolling Stones und der Allman Brothers Band, die Produktion ist glatt, aber dreckig, und die Gesamtenergie liegt irgendwo zwischen Led Zeppelin und Faces. Die Robinsons verschwenden keine Zeit, um wieder zur Sache zu kommen. Der Eröffnungstrack „Profane Prophecy“ entfaltet sich wie ein Southern-Rock-Hurrikan aus längst vergangenen Zeiten, mit Slide-Gitarre, Kuhglocke und rauen Vocals, die den Rand ausfüllen. „Cruel Streak” und „It’s Like That” folgen einem ähnlichen Muster, mit schnellen Gitarrenblitzen und spritzigen, halb gospelartigen Backgroundsängern, die sich mit mitreißenden Call-and-Response-Einlagen einbringen. Die ausgelassene Party-Atmosphäre auf „A Pound of Feathers” verlangsamt sich ein paar Mal, um Raum für Reflexion zu schaffen, in der Hoffnung auf ein weiteres „She Talks to Angels”, die Hit-Single über Heroinsucht aus dem Debütalbum „Shake Your Money Maker” der Black Crowes aus dem Jahr 1990. Aber nur der akustische Schwung von „Pharmacy Chronicles“ sticht unter den mitreißenden, wenn auch unsinnigen Tracks wie „Do the Parasite!“ hervor. Wie „Happiness Bastards“ lässt sich auch „A Pound of Feathers“ am besten ohne große Vorbehalte genießen. Und wie die besten Wiedervereinigungen verherrlicht auch die Rückkehr der Black Crowes die Vergangenheit, während sie gleichzeitig voll und ganz im Moment lebt. „Wir haben die Platte in acht bis zehn Tagen aufgenommen“, sagt Chris Robinson, Sänger der Band. „Die Euphorie und Inspiration von ›Happiness Bastards‹ flossen in dieses Album ein, es war eine natürliche Weiterentwicklung. Wir haben mehr experimentiert, intuitiv und nach Gefühl geschrieben. Rich hat der Platte eine Spontaneität verliehen, die ich nicht beschreiben kann, aber es ist das Beste, was er je gemacht hat.“ Und Rich fügt hinzu: „Dieses Album ist für uns ein Wendepunkt. Wir sind zu unseren Wurzeln zurückgekehrt und haben diesen Funken im Studio und in unserer Zusammenarbeit gespürt. Wir haben ein Feuer entfacht, das härter und kantiger ist, aber dennoch unserer musikalischen Essenz treu bleibt.“ Fazit: Dieser Stilmix aus Southern Rock, Blues, Soul und Gospel ist absolut überzeugend! Die rohe Attitüde des Rock’n’Roll im Vordergrund, garniert mit der unsterblichen Seele des Blues und den tiefen Gefühlen des Soul ist das nicht nur für Fans ihrer frühen, rockigen Alben zu empfehlen. Das ist ein Rockalbum, das zugleich locker und funky, dunkel und schwer, sinnlich und kantig ist. Eben so, wie’s sein soll! (Silver Arrow) UCR

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