altemaelze

Take your time: the Berlin Tapes

Wolfgang Bernreuther

Neues vom Blues-Maestro aus der Oberpfalz- kein Album für schnelle Aufmerksamkeit, sondern eines für den zweiten oder dritten Durchlauf!

Die Blues-Pfade, auf denen Wolfgang Bernreuther seit vielen Jahren trittsicher wandelt, sind noch lange nicht ausgelatscht. Der Neumarkter Gitarrist und Sänger erfindet sich und seine Musik immer wieder neu. So hat er im August 2024 ein neues Album eingespielt – „Take Your Time – the Berlin tapes“. An zwei Tagen im LowSwing-Recording-Studio. Zusammen mit Rainer Knychalle an der E-Gitarre, Harry Hirschmann am Bass, der viele Jahre in der Kevin Coyne-Band gespielt hat, sowie Drummer Earl Harvin und Guy Steinberg (Organ), der auch für die Aufnahmen, das Mixing und Mastering verantworlich zeichnete. Insgesamt elf Tracks wurden eingespielt, die meisten Bernreuther-Kompositionen, zum Teil in Zusammenarbeit mit Rainer Knychalle. Einige davon sind Neu-Interpretationen aus früheren Alben – wie „I wonder who“ oder „I wonder why“ von „Brothers in Blues“ von 2005. Und natürlich sind auch Coverversionen dabei, so „The sky is crying“ von Elmore James oder „Lalena“ von Donovan. Das kommt teilweise typisch Bernreuther-mäßig relaxt oder Blues-Traditionell. Mal tönt’s durchaus funky wie bei „Let me be“ oder im Boogie-Ryhthmus bei „25the hour“. Und „Lalena“ kommt ganz reduziert und akustisch. Die Aufnahmen leben von einer beinahe livehaften Dynamik. Man hört, dass hier Musiker zusammenspielen, die sich gegenseitig Raum lassen. Besonders die Gitarrenarbeit steht im Mittelpunkt: mal filigran und akustisch, mal mit bluesigem Crunch – immer jedoch mit viel Gefühl für Timing und Ton. Wie bei vielen Bernreuther-Produktionen fällt die außergewöhnlich transparente Klangqualität auf. Das Album richtet sich nicht nur an Bluesfans, sondern auch an Hörerinnen und Hörer, die audiophile Aufnahmen schätzen. Instrumente sind klar voneinander getrennt, ohne dass die Wärme des Gesamtklangs verloren geht. Statt spektakulärer Effekte setzt Bernreuther auf Groove, Intimität und musikalische Reife. Manchmal hätte man sich allerdings etwas mehr dramaturgische Spannung gewünscht – einige Stücke bewegen sich sehr nah am traditionellen Blues-Schema und überraschen wenig. Eben eine typische Bernreuther-Scheibe, die wieder auf LP und CD auf dem „clearaudio“-Label erscheint. Einziges Manko – lieber mehr neue Songs als immer wieder alte WB-Klassiker in Neubearbeitung! (Clearaudio) no.men

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