turmtheater

Polnische Hochzeit

Kritik zur Premiere am 7. Februar im – Theater am Bismarckplatz

Operette in drei Akten und einem Prolog – Musik von Joseph Beer

Die Wiederentdeckung von vergessenen oder verschollenen Werken des Musiktheaters zieht sich wie ein roter Faden durch die Intendanz von Sebastian Ritschel und Ronny Scholz, der diese Operette inszeniert hat. Nach der gefeierten Premiere von „Der Prinz von Schiraz“ vor zwei Jahren folgt nun ein weiteres Stück des Komponisten Joseph Beer, die „Polnische Hochzeit“.Beers persönliches Schicksal spielt wohl eine entscheidende Rolle beim „Vergessen“ und der Wiederentdeckung in den letzten Jahren. War er in den 1930er Jahren ein beachteter und gefeierter Operettenkomponist, musste er vor den Nationalsozialisten fliehen, seine Werke durften nicht mehr gespielt werden. In den Nachkriegsjahren konnte er an seine Erfolge nicht mehr anknüpfen und blieb ein vergessener Künstler.

Dieses Schicksal macht Ronny Scholz in seiner Inszenierung im Theater am Bismarckplatz zum Aufhänger der Operette. So zeigt er zu Beginn in einer dunklen Szene eine Gruppe von Vertriebenen oder Gefangenen, so deutlich wird das nicht ausgeführt, lässt den Komponisten als reale Person auftreten und seine Lage beschreiben. Dieses Mittel zieht sich durch die gesamte Produktion, immer wieder tritt die Figur Josef Beer (Gabriel Kähler) kommentierend in die Handlung, bis er am Ende mit dem gescheiterten Hochzeiter Staschek und dem Theaterhund auf der Bühne sitzt und sie ihr Schicksal besingen – „Doch kommt man langsam in die Jahre“. Am Ende bleibt dem alten Mann nur der Hund und der Wein. Bei der Premiere übernahm die Rolle des Staschek Alexander Franzen für den erkrankten Jakob Hoffmann, hat sich innerhalb von zwei Tagen in die Rolle eingearbeitet und konnte (mithilfe des Textbuchs) die Figur imposant übernehmen. Toll!

Das hatte Graf Staschek Zagorsky eigentlich anders geplant, wollte er doch die junge Jadja (Sophie Bareis) als seine sechste Ehefrau heiraten. Die aber will diesen alten Mann nicht, sondern ihre Jugendliebe, den Freiheitskämpfer Boleslav Zagorsky (Carlos Moreno Pelizari) ehelichen, der incognito aus der Verbannung zurückgekehrt ist. Daraus entwickelt sich der witzig-spritzige Plot, die Hochzeit der beiden Liebenden soll stattfinden, der Graf soll leer ausgehen, Jadjas Vater, der verschuldete Graf Mietek (Seymur Karimov), will durch die Hochzeit seine Schulden loswerden. In dieser Situation übernimmt Suza, die Gutsverwalterin mit Haaren auf den Zähnen (Rahel Brede), die entscheidende Rolle und ehelicht, verborgen unter dem Brautschleier, den Grafen. Der hat nun keine ruhige Minute mehr, Suza spielt köstlich die Xanthippe, bis der Graf schließlich in die Scheidung einwilligt. Dazwischen ist Raum für ein opulentes Feuerwerk an Tanz- und Revueszenen, wie es in der Inszenierung von Ronny Scholz zu erwarten ist. Die Tanzcompanie glänzt in den Revueeinlagen im Glitzerkostüm und mit künstlicher Federboa, der Opernchor gestaltet das Besäufnis am Vorabend der Hochzeit witzig-spritzig – eins, zwei, drei und herunter mit dem Wein!

Zwischen folkloristisch geprägten Chorszenen sowie schmissigen Foxtrott- und Jazznummern, die das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Andreas Kowalewitz in gewohnt meisterhafter Weise präsentiert, gibt es melancholisch-romantischen Lieder, melodramatische Passagen und witzige Duette, besonders zwischen Suza und ihrem Liebhaber Casimir (Benedikt Eder). Höhepunkt ist wohl die Nummer „Katzenaugen“, bei der das Ensemble alle Register zieht und das Publikum begeistert. Der Schuppen und Kuhstall aus dem ersten Akt wird mit pinken Vorhängen aufgepeppt und schon steht die passende Kulisse für Feier und Besäufnis.

Dass am Ende dieser spritzigen Revue eine melancholische Szene steht, ist so gar nicht operettengemäß. Doch im Gesamtkontext wirkt diese stille Passage absolut stimmig, der getäuschte Hochzeiter und die Figur des Komponisten geben einen nachdenklichen Ausblick auf die dunklen Jahre, die folgen sollten. (arm)

Weitere Aufführungen am 14.2., 22.2., 25.2., im März, April, Mai und Juli

(Fotokredit: Theater Regensburg)