Keinen einzigen Song veröffentlicht und schon die Bühne auf dem Wacken Open Air abfackeln? Was quasi unmöglich erscheint, haben DRAMATIST 2025 ohne Wimpernzucken durchgezogen. Mit Gregor Hennig (u.a. Muff Potter, The Robocop Kraus, Die Sterne) und Kurt Ebelhäuser (u.a. Blackmail, Donots, Pascow) haben Marco Van Gete, Oskar Brozek, Moritz Vandreier, Roman Pelz und Johann Dallmeyer gleich zwei Produzenten in die Aufnahmen ihres Debutalbums „Wasting Words“ involviert, die für authentische Musik stehen. Herausgekommen ist ein Album, das vor musikalischem Selbstbewusstsein und gesellschaftlicher Haltung nur so strotzt und am 23. Januar veröffentlicht wurde.
Doch wo kommt diese Postcore-Band so plötzlich her? In der Bremer Musikszene sind die fünf Musiker längst keine unbekannten mehr, errungen mit ihren bisherigen Projekten und Bands teilweise Kultstatus. Doch auch in Bremen hatten die Musiker mit der Gründung einer neuen Band und ihrer musikalischen Kompromisslosigkeit überrascht. DRAMATIST möchte ihre Herkunft und Sozialisation nicht verbergen, wollen sie aber auch nicht lautstark verkünden, sondern einfach ihre Arbeit für sich sprechen lassen. Der Opener „Black Hole“ wirft einen direkt in den DRAMATIST-Kosmos, feiert die Nacht, bevor die erwähnte erste Single melodisch einschlägt und für einen kurzen Moment sogar ins Deutsche abdriftet. Es folgt das durchweg befriedigende „Disappointed“, das uns entgegenbrüllt: „waiting for nothing is over now, hating for nothing is over now“ – und das ist wirklich großartig! „The League“ fordert Frauenrechte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, und weigert sich, seine Wut zu verleugnen: „her only goal is to collapse the system now.“ Auch die brutale Welt wird in „Glasgow Nights“ thematisiert, doch trotz aller Unterschiede wirken die acht Songs wie ein geschlossenes Ganzes, das selten süß oder leicht erscheint, aber dann mit der Mitsing-Hymne „Unknown Hero“ eine willkommene Quasi-Pause bietet, bevor „Loathing“ seine eigene treibende Intensität entfesselt, die dem Namen der Band alle Ehre macht. Der abschließende gut sieben-minütige Track „Go“ bietet dann einen längeren Abschied („somebody tell me what to do“), der noch einmal alle Attribute von DRAMATIST in den Song-Topf wirft und sich auf wunderbarste Weise aufbaut – bevor sich der erwähnte Zwang einstellt, das Album erneut zu hören oder innezuhalten, um das Gehörte zu verarbeiten. Da war es nicht verwunderlich, dass DevilDuck Records für dieses Album die eine oder andere Label-Regel gebrochen hat, so z.B. dass Alben zehn Songs haben müssen. Aber diese acht Songs sind so stimmig und kompromisslos, dass es ein Frevel gewesen wäre, dieses Album nicht genau so zu veröffentlichen. (DevilDuck Records/Indigo) *****/*
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