Ich hätte nicht gedacht, dass ich von einer meiner Lieblingsbands noch mal etwas hören würde. Fast zehn Jahre musste ich ohne neue Töne -und ich sage bewusst Töne- aus Chicago auskommen. Die Rede ist von Tortoise und man liebt diese Band nicht unbedingt wegen ihres Melodienreichtums oder der tollen Lyrics, man liebt sie, wegen ihres Einfallsreichtums, wegen der Dekonstruktion, wegen dem Weglassen, dem reduzierten Spiel. „Post-Rock“ wurde einst als Begriff für diese so schwer greifbare Musik erfunden. Und so lebt auch „Touch“ von den Zwischentönen, von den ziselierten Gitarrenparts, den eingestreuten elektronischen Verwirrspielen und Field Recordings, der Mischung aus fein austariertem Progressive-Rock, Elektronik, Ambient und Kraut-Rock, dem Verzicht üblicher Strophe-Refrain-Strukturen und der Vorliebe für unübliche Taktarten. Tortoise sind Meister der Verfremdung und bringen uns dieses Mal sogar ab und an auf den Dancefloor einer besseren Welt (die es aber ja leider nicht gibt). „Touch“ ist radikaler und konsequenter als die Werke von The Sea & Cake, Gastr De Sol oder Four Tet. To Rococo Rot, Neu! oder Tarwater sind dieses Mal die Referenzpunkte. (International Anthem) HuSch
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