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„It’s a Menz‘ World“ von Josef Menzl

Kritik zur 2026er Premieren-Show am 3. Januar am Theater am Bismarckplatz

Eine Insider-Kritik von Peter Geiger
Der universelle Glanz der Blechblasmusik: Die Kapelle Josef Menzl erfüllte das Theater mit dem Wohlklang bayerischer Volksmusik und globalen Pop-Variationen!

Man muss sich das erst einmal trauen: Mit voller Kapelle – gemeint ist die 15-köpfige XXL-Version – die Bühne des Theaters am Bismarckplatz zu betreten, auch noch ein paar Gäste aus dem Musikland Bayern zu begrüßen und am Ende ganz nonchalant zu betonen: „Es woaß eh koaner, wos passiert – ned amoi mia!“ Wer jetzt aber glaubt, dieser Josef Menzl aus Pentling, er sei im tiefsten Herzen eigentlich ein Free-Jazzer, einer, der im gegenwärtigen Augenblick noch gar nicht weiß, wie die nächste Sekunde klingen wird, der hat sich gebrannt. Und zwar so, als würde er einen vor sich hinglühenden Stumpen mit seinen Bratzen ausmachen wollen.

Denn auf der einen Seite ist Josef Menzl seit über 30 Jahren ein musikalischer Direktor, der über so viel Witz und Ironie verfügt, dass man um das schöne, aber etwas aus der Mode geratene bayerische Verb „tratzen“ gar nicht drumrum kommt: All seine Ideen entwickelt er „zum Fleiß“, also mit jenem absichtlichen Wohlgefallen, um sein Gegenüber – uns, das Publikum – liebevoll zu wiegen und auf den Arm zu nehmen. Und uns so mit bester Laune auszustatten. Auf der anderen Seite hat dieser Meister der kontrollierten blasmusikalischen Eskalation seine Kapelle so gut präpariert, dass schon ihre rund sechsminütige Ouvertüre – jenes Medley, das mit „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss startet und so das Weißblaue in der Klassik betont – zum Fanal wird. Weil sie sich sodann als höchst intelligente Blitzgneißer erweisen. Auf ein unsichtbares Kommando hin umzuschalten wissen, auf ein Kreuzüberdüber von Swing, Dixieland und Klezmer. Um am Ende mit dem „Bayerischen Defiliermarsch“ (wohl der heimlichen Nationalhymne des Freistaats) flugs wieder im Himmel der Bayern zu landen: „Ja, ja, das ist ein schmaler Grat“, wird sich Josef Menzl am Ende dieses Abends hinterm Ohr kratzen und bekennen: „Wir geben alles, damit es nicht langweilig wird. Unser Streben nach Perfektion darf aber die Musik nicht töten!“ Und so geht’s aufdraht und wepsert weiter, an diesem Samstagabend, im Scherzgalopp bittet er zur großen Harfenrundfahrt (nein, das -r nach dem -a ist kein Tippfehler, sondern einer der zahllosen Menzl-Gags) und feiert „Im Eilschritt nach St. Peter“ die Vitalität und den Glanz von „tausend Jahren polyphoner Musik“.

Die eingangs genannte Lust am Risiko wiederum, die lässt sich wohl am besten mit dem Wort „Hoagascht“ bezeichnen. Das Wort kommt aus dem Tirolerischen und bedeutet eine Mischung aus gmiatlicher Plauderei und einer Session. Und zwar unterbricht Josef Menzl seine Kapelle immer wieder, um wie in einer Fernsehsendung das Mikro seinem Bruder Wastl zu überlassen. Der hat sich’s bequem eingerichtet, auf der Sitzgruppe am rechten Bühnenrand, um da mit Stofferl Well und weiteren Gästen zu plaudern. Dabei das Ewigbairische in der Musik zu beschwören, das wie der Dialekt, das Bier und die Tracht das ist, was global als weißblaues Alleinstellungsmerkmal zu Weltberühmtheit gelangt ist. Und dann zünden sie prompt auf, steigen ein, wenn die Kapelle loslegt, der Stoiber Heinz, der Saller Sepp und der Eimer Franz. Und Stofferl Well zeigt mit der Bachtrompete, dass seine „Feuerwehrmusik“ nicht nur hemdsärmlig, sondern auch akademisch interpretiert werden kann, irgendwo zwischen Hymnus und Bauerntanz.

Das ist eh das Grandiose an diesem Abend, dass „Menz‘ World“ (ja ja: eine der großen Hymnen des schon beim Himmelvater befindlichen Soulpaten James Brown trägt den Titel „It is a Man’s World“!) einmal um die ganze Welt herumführt. Dabei fliegt uns Stevie Wonders „Sir Duke“ ebenso um die Ohren wie ABBAs „Super Trouper“. Und am Ende auch noch „Lean on me“, jene Gospel-Steilvorlage von Bill Withers (umgetextet auf „Loan Di oo“), die traumhaft sicher verwandelt wird.

Wenn die Blaskapelle aber hier am Ort verharrt, im Freistaat, dann ist das seinerseits kein Plastikrollrasen der Marke „Hinterseer“ oder „Silbereisen“, sondern ein lustvoller Umgang mit dem Erbe. Und Ausdruck eines tiefen Willens zum Umarbeiten, Umgraben und ewigen Von-vorne-Beginnens. Mit anderen Worten: Zwischen musikalischem Entertainment und Talkshow-Sidekick bleibt das Bayerische lebendig. Und so zeigt sich Volksmusik auf Augenhöhe mit dem Pop, hier, bei der Saturday-Night-Show im Theater am Bismarckplatz. Tags darauf boten sie eine Sonntagabend-Vorstellung. Was da passiert ist? Ach, fragen Sie doch einfach Josef Menzl! Der weiß es ja auch nicht!

(Text + Foto: Peter Geiger)