altemaelze

Gute Nachrichten

Sarah Lesch

Unterhaltsamer Befreiungsschlag: Weg vom Liedermacherinnen-Image zu frischem Sound!

Die Liedermacherin Sarah Lesch aus Leipzig war bis dato für mich nie ein Thema. Von der mir sehr geschätzten Sarah Straub öfter mal erwähnt, schreckte mich die musikalische Ausrichtung aus Ukulele, Akkordeon und Gesang dann eher ab und das bei YouTube gehörte machte es nicht besser. Nachdem aber das neue, sechste Album „Gute Nachrichten“ sonst niemand zum Besprechen anhören wollte, habe ich mich dann doch durchgerungen, auch weil die Vorab-Kritiken sehr positiv waren. Am Ende des Tages zum Glück für mich, denn die Scheibe ist richtig stark geworden. Liegt vermutlich an der geänderten musikalischen Ausrichtung hin zu rockigem Sound mit entsprechender Band im Hintergrund. Hier findet jeder seine Lieblingsmusik wieder und bekommt on Top wirklich starke Texte. Sei es eher rockig, Richtung Kopfecho, wie beim Einstieg „Kapitalismus“, wo der Titel gleich klarmacht um was es hier geht (auch wenn man etwas die Stirn runzelt, wenn man weiß, dass es vom Album eine erheblich teurere Premium Version mit drei Bonustracks gibt) oder „Dey“ (gegen Ausgrenzung von Minderheiten hier Richtung des Geschlechts, binär, nonbinär, Trans usw.), tolle Balladen wie „Wenn er nicht trinkt“ mit dem Thema Alkoholismus in der Familie (nur mit Gitarre und vom Gesang her total an Sarah Straub erinnernd). bzw. „Dopamin“, wo mir Alexa Feser in den Sinn kommt nur mit etwas Gitarre, Schlagzeug und Piano. Fans fescher Gitarrensoli kommen beim an rockige Silbermond klingenden „Bitte nicht anfassen“ auf ihre Kosten, während es bei flotten Die Ärzte-Fun Punk-Lied „Mein Manager“ textlich viel zu lachen gibt, was ich jetzt hier lieber nicht wiedergebe, sonst wird die Kritik gesperrt. Die standen übrigens auch beim Track davor – „Holzofenpunker Pierre“ – musikalisch Pate. Nicht gefallen hat mir musikalisch der Anti Nazi Song „Der letzte Faschist“ als leider recht öder Slow Blues mit Banjo usw. dafür umso mehr der Album Closer „Nie wieder“, ebenfalls gegen Nazis oder Parteien wie die AfD. Ja hier wird kein Blatt vor den Mund genommen und das ist gut so. Der Gesang ist stark und erinnert mich an die vorher erwähnten Sängerinnen und auch die Band agiert top mit netten Soli. Die Produktion ist fett und laut in den Händen des Gitarristen Andy Schmidt der progressive Metal Band Disillusion aus Leipzig. Am Ende des Tages gibt es dann vor mir eine Kaufempfehlung für die Scheibe aufgrund des Gesamtpakets, ich hab sie mir tatsächlich gekauft, und vergebe sechs Sterne. (Meadow Lake Music/Roughtrade) HJH

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