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Der Erdspiegel

Andrea Maria Schenkel

Kriminalroman, gebunden, 192 Seiten, Kampa, 22 Euro
Durch das Lokalkolorit, die Beschreibung der Wege zwischen den Weilern im Gebiet nördlich von Regensburg, die Einbettung in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts durch die Verwendung von heute nicht mehr gebräuchlichen Dialektbegriffen kommt sie ihrer Oberpfälzer Heimat wieder ganz nah

Andrea Maria Schenkel gelang mit ihrem Erstling „Tannöd“ 2006 ein fulminanter Einstieg ins Genre des historischen Kriminalromans. Mit weiteren erfolgreichen Titeln wie „Kalteis“ oder „Finsterau“ konnte sie internationales Renommee erreichen und hat wichtigen Auszeichnungen bekommen: den Friedrich-Glauser-Preis, den Deutschen Krimi-Preis sowie den Martin Beck Award, den schwedischen Preis für den besten internationalen Kriminalroman.

In ihrem neuen Roman verarbeitet sie erneut einen historischen Kriminalfall nach einem   Gerichtsbericht von Paul Johann Anselm Feuerbach, auf den sie im Archiv der „New York Times“ gestoßen war. „Ich war wie vom Schlag gerührt. Ich hatte noch nie von einem Serienmörder aus Regendorf gehört“, berichtete sie im Interview mit dem BR. Angelehnt an diesen historischen Fall des Serienmörders Andreas Bichel entwickelt sie ihre Geschichte. „Der Bichel“, wie sie ihn nennt, ist nur ein einfacher Viehhändler, redet aber wie ein gelehrter Mann und zieht so seine Umgebung in seinen Bann. Vor allem junge hübsche Mädchen haben es ihm angetan, und mit seinen Reden kann er sie leicht um den Finger wickeln. Noch dazu, da er ihnen verspricht, sie durch seinen geheimnisvollen „Erdspiegel“ mit ihren abwesenden Geliebten in Kontakt zu bringen. Nichts dürfen die Mädchen von dem Treffen erzählen, sonst würde der Erdspiegel nicht funktionieren. Außerdem sollen sie mit ihren besten Kleidern zu ihm kommen. Naiv und leichtgläubig vertrauen die Mädchen dem Bichel, der ihr Verschwinden den nachfragenden Eltern zunächst einigermaßen erklären kann. Doch er macht einen großen Fehler.

Anknüpfen an ihre frühen Erfolge kann Andrea Maria Schenkel mit diesem Roman wahrscheinlich nicht. Allzu offensichtlich kreist die Geschichte um den Täter, auch die einfühlsame Beschreibung der sozialen Situation der Mädchen bringt nicht unbedingt Spannung in die Erzählung. Dennoch beeindruckt sie mit ihrer Art der Darstellung und den regionalen Bezügen die Leser. Durch das Lokalkolorit, die Beschreibung der Wege zwischen den Weilern im Gebiet nördlich von Regensburg, die Einbettung in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts durch die Verwendung von heute nicht mehr gebräuchlichen Dialektbegriffen kommt sie ihrer Oberpfälzer Heimat ganz nah.