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Siegheilkirchen

Regie: Marcus H. Rosenmüller

Biographischer Animationsfilm über den österreichischen Karikaturisten, Grafiker und Cartoonisten Manfred Deix, der auf dessen Zeichnungen basiert.

Als Manfred Deix im Juni 2016 starb, kondolierten die ORF-Abendnachrichten folgendermaßen: „Unter den großen österreichischen Karikaturisten hatte keiner einen derart feinen Strich und so rabiaten Schmäh, hat keiner mehr Zumpferl gezeichnet und war keiner ein größerer Katzenfreund und Beach Boys-Fan.“ Womit ein ebenso ehrlicher wie ehrender Summenstrich gezogen wurde, unter das Lebenswerk dieses Zeichners und Karikaturisten, der bei Konservativen für Zornesröte sorgte – und seinen Fans unentwegt Lachtränen in die Augen trieb. Als sich 1986 in Österreich Kurt Waldheim anschickte, Bundespräsident zu werden (er wurde es), war es Manfred Deix, der mit seinen Zeichnungen den Skandal, dass einer, der im Verdacht stand, an Wehrmachtsverbrechen beteiligt gewesen zu sein, auch hierzulande popularisierte. Jetzt hat Marcus H. Rosenmüller die Jugend dieses 1949 in St. Pölten geborenen und in Böheimkirchen als Wirtssohn aufgewachsenen Manfred Deix verfilmt. Um ins Animations-Genre hineinzukommen, hat er sich mit Santiago López Jover einen Experten an die Seite geholt. Und so viel gelernt, für seine gerade laufende Arbeit am animierten Pumuckl.

Da wird Aufklärung betrieben, mittels animierter Bilder, über das Leben dieses Sohns eines einarmig aus dem Zweiten der Weltkriege heimgekehrten Wirts. Und wie dieser vier Jahre nach Kriegsende geborene Gottbegnadete dem Diktat seines rechten Arms folgend, jenes Talent erst sachte entdeckt und dann mit wachsender Energie freilegt. Und so alles Beobachtete und Wahrgenommene dieser tristen, von Nazi-Ungeist („Sieg Heil“) und katholischem Autoritarismus (Kirchen) geprägten Sixties-Welt, mit dem Stift zu Papier bringt und zu Kunst veredelt. Als pubertiererendes Greenhorn legte er dabei freilich nicht den allergeringsten Wert auf Feigenblätter, sondern folgt natürlichen Impulsen. Und legt alles in selten gesehener Offenheit dar, so dass seine vor allem männlichen Schulkameraden bereit sind, auch Geld hinzublättern, für jedes Blatt, das er der Natur nachempfunden hat. Und deshalb geeignet ist, altersbedingte Krämpfe handstreichartig zu lösen.

Und während dieser Animationsfilm in Österreich unter dem Titel „Rotzbub“ längst schon angelaufen ist und dort auf Anhieb nicht nur Publikumsrekorde brach, sondern auch Preise absahnte, ist er hier bei uns in Deutschland jetzt erst mit ein paar Monaten Verspätung angelaufen, und zwar unter dem Titel „Siegheilkirchen“. Das spielt an auf jenes niederösterreichische Fleckerl Erde, das den Nachwehen des Nationalsozialismus ebenso geprägt wurde wie vom Katholizismus – und ist, wie man jetzt am Freitagabend im Reginakino im Beisein des Regisseurs und seines Produzenten Ernst Geyer erleben konnte, ein Heidenspaß. Läuft bereits im Kino seit 7. Juli bei uns.

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