Josh Homme macht keine halben Sachen. Wenn der Queens-of-the-Stone-Age-Mastermind seine privaten Abgründe musikalisch ausleuchtet, klingt das selten nach Selbsttherapie mit versöhnlichem Ausgang. Homme gab dem Album seinen Namen, indem er das englische Wort „perfect“ absichtlich falsch schrieb. Diese Unvollkommenheit steht sinnbildlich für die Bruchstücke seines Privatlebens, die sich in den vergangenen Jahren langsam wieder zusammenzufügen begonnen haben. „Perfecth“ ist kein Album, das Wunden einfach schließt. Es legt vielmehr den Finger hinein – mit scharfkantigen Gitarren, düsteren Klangflächen und jener unterschwelligen Nervosität, die Homme seit Jahrzehnten zu einem der eigenwilligsten Charakterköpfe des modernen Rock macht.
Dabei erfinden Queens of the Stone Age ihr Erfolgsrezept keineswegs neu. Der typische Stoner-Rock-Fuzz bleibt ebenso präsent wie die lässige rhythmische Präzision und Hommes Gespür für Melodien, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen. Doch „Perfecth“ wirkt konzentrierter, introvertierter und weniger auf unmittelbare Wirkung bedacht als mancher Vorgänger. Neun Songs und gerade einmal 36 Minuten reichen, um ein erstaunlich geschlossenes Bild emotionaler Verwüstung zu zeichnen. Schon der schleppende Opener „It’s Only Love“ setzt auf Atmosphäre statt auf den großen Riff-Angriff. „Insignificant Other“ entwickelt sich mit souligem Groove und schwerem Unterton zum Herzstück der Platte. „Where the Goth Girls At?“ kratzt mit nervösem Stop-and-go-Rhythmus und giftigem Feedback an der Oberfläche, während „Sunday“ funkige Leichtigkeit andeutet, die von den rauen Gitarren sofort wieder eingerissen wird. In „Easy Street“ schließlich wird die Selbstzerfleischung zur melancholischen Bestandsaufnahme. Homme bleibt dabei ein Meister der kontrollierten Schieflage. Seine Songs dürfen brüchig sein, ihre Schönheit entsteht gerade aus den Rissen. Allerdings verlangt diese konsequent düstere Innenschau auch Geduld. Wer den unwiderstehlichen Riffdruck und die unmittelbaren Rock-Hymnen früherer Queens-Alben sucht, wird hier nicht durchgehend bedient. Manche Passagen wirken eher wie Fragmente eines inneren Monologs als wie Songs, die sich mit voller Wucht ins Gedächtnis brennen. Gerade darin liegt jedoch die Stärke von „Perfecth“: Die Platte verweigert sich der bequemen Katharsis. Sie verspricht keine Heilung, sondern dokumentiert den Zustand danach – wenn der größte Schmerz vielleicht nachlässt, die Narben aber bleiben. Kein makelloses Meisterwerk, sondern ein bewusst unvollkommenes, atmosphärisch dichtes Album, das seine emotionale Wahrheit ausgerechnet aus seinen Brüchen bezieht. Queens of the Stone Age bleiben sich treu – und Josh Homme beweist einmal mehr, dass selbst beschädigte Schönheit verdammt faszinierend klingen kann. (Matador) UCR
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