altemaelze

My Second Rodeo

Todd Snider

Only the good ones die young

Todd Snider war nie einer, der sich sonderlich um musikalische Konventionen scherte. Der amerikanische Singer-Songwriter, Geschichtenerzähler und notorische Querkopf bewegte sich irgendwo zwischen John Prine, Randy Newman und einem ziemlich verkaterten Bob Dylan. Im November 2025 starb er im Alter von nur 59 Jahren. „My Second Rodeo“ ist sein posthum veröffentlichtes letztes Studioalbum. Die zehn Songs entstanden wenige Wochen vor seinem Tod in Nashville. Snider hatte eine recht eigenwillige Vorstellung davon, wie Country-Musik in zehn Jahren klingen sollte. Also nahm er zunächst Gesang und Gitarre auf, ohne Band und Metronom. Die Begleitmusiker mussten sich anschließend seinen rhythmischen Eigenheiten anpassen. Das Ergebnis verbindet Country, Folk und Blues mit verschleppten Grooves, New-Orleans-Bläsern, Soul-Chören und einer gehörigen Portion musikalischer Unberechenbarkeit. Schon der Opener „Freewheelin‘ (Every Day at a Time)“ lässt erkennen, dass hier kein gewöhnlicher Nashville-Routinier am Werk war. „Solid Country Gold“ verbindet einen lässigen Blues-Shuffle mit satten Bläsern, während Titel wie „Can Your Monkey Do the Splits?“ oder „Stoner Yodel Number 3“ bereits erahnen lassen, dass Snider seinen Humor bis zuletzt nicht verloren hatte. Hinter aller Skurrilität stecken allerdings auch nachdenkliche Beobachtungen und gesellschaftliche Kommentare. „My Second Rodeo“ ist kein glattgebügeltes Vermächtnis, sondern ein Album voller Ecken, Kanten und eigensinniger Ideen. Todd Snider klingt dabei, als hätte ein 80-jähriger Landstreicher nach einer durchzechten Nacht beschlossen, die Country-Musik noch einmal neu zu erfinden. Herrlich kauzig, wunderbar verschroben und voller Ideen, auf die in Nashville vermutlich niemand gewartet hat. Manches wirkt bewusst unfertig, anderes geradezu wunderbar verschroben. Todd Snider wollte offenbar auch bei seinem letzten Rodeo nicht unbedingt im Sattel bleiben. Hauptsache, der Ritt machte Spaß. (Thirty Tigers) HuSch

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