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Come This Madness

Europe

Die alten Tage, aber kein Rückfall: Europe graben tief in ihrer eigenen Geschichte und finden dabei erstaunlich viel Gegenwart.

Neun Jahre haben sich Europe Zeit gelassen. Jetzt melden sich die Schweden mit Come This Madness zurück – und machen gleich klar, dass Nostalgie zwar erlaubt, Stillstand aber keine Option ist. Natürlich sind sie da, die großen Melodien, die knackigen Riffs und die Refrains, die sich schon nach dem ersten Durchlauf festsetzen. Doch wer vom zwölften Studioalbum eine Neuauflage von The Final Countdown erwartet, liegt falsch. Europe haben ihre Vergangenheit nicht kopiert, sondern seziert und die brauchbaren Teile ins Hier und Jetzt transportiert.

„One on One“ eröffnet den Reigen mit klassischem Europe-Feeling, während „The Cult of Ignorance“ deutlich kantiger und härter zu Werke geht. „Scandinavian Eyes“ wiederum zeigt die melancholische Seite der Band. Am eindrucksvollsten gerät jedoch der Titelsong: „Come This Madness“ baut seine Spannung langsam auf, lässt Gitarrenriffs und Gesang immer weiter anziehen und explodiert schließlich in einem Refrain, der genau jene hymnische Größe besitzt, für die diese Band einst berühmt wurde. Joey Tempest singt dabei nicht mehr wie der ewige blonde Hard-Rock-Jüngling aus den Achtzigern – und das ist gut so. Seine Stimme klingt gereifter, charaktervoller und glaubwürdiger. John Norums Gitarrenarbeit liefert dazu das nötige Gegengewicht: mal bluesig, mal metallisch, immer mit diesem unverkennbaren Gespür für die große Linie. Produzent Tom Dalgety sorgt dafür, dass Come This Madness weder nach Hochglanz-Retro noch nach aufgesetzter Modernisierung klingt. Der Sound besitzt Druck, bleibt aber organisch. Mike Fraser veredelt das Ganze mit seinem Gespür für große Rockproduktionen. Auch die Gastauftritte von Tobias Forge und Michael Åkerfeldt setzen interessante Akzente. Europe können ihre Geschichte nicht abschütteln – sie müssen es aber auch gar nicht. Come This Madness lebt gerade von diesem Spannungsverhältnis zwischen Erinnerung und Erneuerung. Manchmal ist das Ergebnis vertraut, gelegentlich sogar sehr vertraut. Aber eben nie peinlich selbstreferenziell. Das ist vielleicht die größte Überraschung dieses Albums: Europe klingen nicht wie eine Band, die ihr Vermächtnis verwaltet. Sie klingen wie eine Band, die noch etwas zu sagen und vor allem noch etwas zu rocken hat. Fazit: Come This Madness ist kein zweites The Final Countdown. Zum Glück. Es ist das Album einer gereiften Band, die ihre Vergangenheit im Rückspiegel hat, aber weiterhin nach vorne fährt. (Silver Lining Music) P.Ro

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