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Deborah Bonham

Kritik zum Konzert am 24. September im VAZ in Burglengenfeld

Eine Insider-Kritik von Bernd Schweinar

Das Symbolbild des Abends zeigt für mich die lackierten Zehnägel, die barfuß aus der siebziger Pannesamtschlaghose ragen und vor dem Setlistzettel auf einem Teppich stehen. So könnten sich heute Kids die nie erlebte Musikgeschichte unter dem Begriff Retro vorstellen. Selbst wenn man 1959 geboren ist und Janis Joplin auch nie live erlebt hat, tauchen Ansätze von Synergien in der Vorstellungskraft auf, wenn Deborah Bonham, die Schwester des zu früh verstorben „Led Zeppelin“-Schlagzeugers John Bonham, ziemlich hippie-like auf der Bühne tanzt und – singt, wie die „Livehaftige“. Der Janis-Vergleich wäre zu vermessen, aber wenn sie die Töne über ihre Stimmbänder zieht und „Baby“ oder „Uuuuuh“ dehnt und den Kehlkopf einschnürt, dann hat sie doch stark etwas von Joplin.

Auf jeden Fall ist Debby Bonham eine Blues- und Rockröhre, die wesentlich mehr Publikum verdient gehabt hätte. Bereits die Aufkicknummer „See You Again“ aus dem gemeinsamen Album „Bonham-Bullick“ mit ihrem Ehemann Peter Bullick an Gitarre und Mandoline, gibt die Richtung des Erlebnisabends vor. Aus dem gleichen Album stammt auch „Bleeding Muddy Water“. Bei „Take Me Down“ wird sie fast country-lastig melodisch und groovt durch die Harmonien. Triefend emotional fast die Ballade „Breathe“, wo sie zelebriert, dass Melancholie auch kantig klingen kann. Als sie zum Ende hin das groovige „Set The Night On Fire“ anstimmt, subsummierte der Titel den fulminanten Abend in einer einzigen Refrainzeile. Bei „No Angel“ geht sie gar noch auf dem Bühnenboden auf die Knie, bevor sie zur letzten Zugabe – das „Led Zepplin“-Cover „Rock ’n‘ Roll“ – den Erinnerungshammer an ihren verstorbenen Bruder rausholt. Das alles angeschoben von einer knackigen Band, wie man sie wirklich selten hört und die sich ihre Meriten auch als Begleitband von Paul Rodgers verdient. Bassist Ian Rowley als obercooler Rechtsaußen, im groovigen Verbund mit dem wunderbaren Rich Newman an den Drums und Keyboarder Gerard Louis, der über den Akkorden thront und die Flächen füllt. Alle angeführt vom erwähnten Peter Bullick, der die Fäden souverän zieht.

Wer gestern bei DEBORAH BONHAM im VAZ Burglengenfeld war weiß, was diejenigen versäumt haben, die vielleicht zu bequem waren, um durch die Nacht zu fahren. Sollte sich jetzt jemand in den Hintern beißen: Deborah Bonham spielt auch beim nächsten „Lieder am See“-Festival am 17. Juli 2027 am Brombachsee südwestlich von Nürnberg. Dort zusammen mit Acts wie „Lynyrd Skynyrd“, Joe Bonamass, „Hooters“ und „Saga“.

Und hier die ganze Musik-sehen-Bilderstrecke:

https://www.allmusic.de/bildergalerie/bonham-deborah/