altemaelze

Just Say Yes

Ruthie Foster

Ein kraftvolles Ja zum Leben

Manchmal entstehen die eindringlichsten Alben aus den schwierigsten Lebensphasen. Mit Just Say Yes legt die texanische Sängerin und Gitarristin Ruthie Foster ein Werk vor, das von persönlichen Krisen, Selbstzweifeln und der unerschütterlichen Kraft der Musik erzählt. Nach Mileage, für das sie im vergangenen Jahr erstmals mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, schlägt die Bluesmusikerin nun ein neues Kapitel auf. Zehn Songs verbinden Soul, Roots, Rock und Blues zu einem ebenso vielseitigen wie emotionalen Gesamtbild. Produziert wurde das Album in Nashville von Tyler Bryant, bekannt durch The Shakedown, und dessen Ehefrau Rebecca Lovell von Larkin Poe. Gemeinsam mit weiteren Weggefährten haben sie Foster einen Sound auf den Leib geschneidert, der ihre ausdrucksstarke Stimme wirkungsvoll in Szene setzt, ohne sie hinter einer überladenen Produktion verschwinden zu lassen.

Schon der Titeltrack „Yes“ formuliert das zentrale Anliegen der Platte: dem Leben offen zu begegnen, Chancen zu ergreifen und sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen. Der Song besitzt eine mitreißende Energie und entwickelt sich zu einer musikalischen Aufforderung, den Herausforderungen des Alltags mit Zuversicht zu begegnen. Auch „Take Time“ schlägt in diese Richtung. Getragen von einer Southern-Soul-Orgel und einem melodischen E-Gitarrensolo, erinnert das Stück daran, dass große Erfolge oft mit kleinen Schritten beginnen. Doch Just Say Yes ist keineswegs ein durchgehend sonniges Wohlfühlalbum. Dafür sind die Erfahrungen, die in seine Songs eingeflossen sind, zu widersprüchlich. In „Tangled“ verarbeitet Foster emotionale Verstrickungen und den Wunsch, sich endlich aus belastenden Situationen zu befreien. Der Song verbindet musikalische Entschlossenheit mit einer befreienden Direktheit. Deutlich nachdenklicher zeigt sich „Thank You“. Hier setzt sich Foster mit Selbstzweifeln auseinander, insbesondere mit der Frage, ob sie trotz ihrer Erfolge als Bluesmusikerin authentisch genug wahrgenommen wird. Dass diese Gedanken eine besondere Tiefe besitzen, liegt auch an Fosters bewegter Biografie. Nach ihrem Dienst bei der US Navy erhielt sie zunächst einen Plattenvertrag, unterbrach ihre musikalische Laufbahn jedoch 1993, um sich um ihre erkrankte Mutter zu kümmern. Nach deren Tod fand sie als unabhängige Künstlerin zurück zur Musik und arbeitete sich über Jahrzehnte hinweg zu einer festen Größe der amerikanischen Blues- und Roots-Szene empor.

Auch die Entstehung des neuen Albums war von persönlichen Belastungen geprägt. Eine schwere Knieverletzung, eine Operation und Schwierigkeiten in ihrer Partnerschaft zwangen Foster dazu, innezuhalten und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die Aufnahmen in Nashville wurden so auch zu einer Form der Selbstvergewisserung. Diese Offenheit macht Just Say Yes zu mehr als einer Sammlung handwerklich überzeugender Roots-Songs. Ruthie Foster verbindet persönliche Verletzlichkeit mit musikalischer Stärke und lässt Soul, Blues und Rock organisch ineinandergreifen. Ihre Stimme trägt dabei sowohl die leisen Zweifel als auch die kraftvollen Momente, ohne je an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Am Ende steht kein naiver Optimismus, sondern eine Haltung, die sich ihre Zuversicht erst erarbeiten musste. Just Say Yes ist ein leidenschaftliches, lebensnahes Album über Veränderung, Selbstfindung und den Mut, immer wieder neu anzufangen. Ein überzeugendes Statement einer Künstlerin, die auch nach mehr als drei Jahrzehnten im Musikgeschäft noch längst nicht am Ziel angekommen ist. (Sun Records) P.Ro

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