Drei Jahre nach dem vielgelobten Vorgängeralbum »Six« veröffentlicht die schwedische Band Graveyard ihr mit Spannung erwartete siebtes Studioalbum und Graveyard werden immer schwerer, düsterer und kompromissloser. Was auf den frühen Alben noch als psychedelischer Retro-Hardrock mit Okkult-Flair begann, hat sich längst zu einem eigenständigen, deutlich härteren Sound entwickelt. Mit „Fever“ treiben die Schweden diese Entwicklung konsequent voran.
Das neue Album der Göteborger ist eine wuchtige Mischung aus staubigem Blues, psychedelischer Schräglage und massivem Riffrock. Statt sich nostalgisch in den Sechzigern und Siebzigern einzurichten, verbinden Graveyard ihre klassischen Einflüsse mit einer frischen, druckvollen Produktion. Jeder Riff sitzt, jeder Groove hat Gewicht. Schon der Opener „Back From The Grave“ zieht mit entfesseltem Bluesrock und fiebriger Psychedelia in seinen Bann. „Tongue Tied“ schaltet einen Gang höher und rumpelt mit rotzigem Kneipenrock-Charme nach vorne. Dagegen walzt sich „A Better Cut (Note To Self)“ schwer und bedrohlich durch die Boxen, während Frontmann Joakim Nilsson seine ganze Wut in den Gesang legt. Auch danach bleibt das Album abwechslungsreich: „Year Of The Horse“ bedient die Stoner-Rock-Fraktion, „A Means To An End“ setzt auf testosterongeschwängerten Boogie, und „Time To Tell“ taucht tief in düstere Garage- und Blueswelten ein. Mit „Don’t Shoot“ und dem punkig angezündeten „Room Tempered“ verschärft das Trio nochmals den Ton. Das abschließende „Dead Note“ bündelt schließlich psychedelische Schwebezustände und gewaltige Klangsteigerungen zu einem eindrucksvollen Finale.
„Fever“ ist kein müder Retro-Aufguss, sondern ein lebendiges, eigenwilliges Rockalbum mit neun Songs voller Ecken, Kanten und ordentlich Druck. Diese Schweden tragen dabei immer noch die vom Blues durchdrungene Seele weiter, die ihr Durchbruchsalbum »Hisingen Blues« definierte, vertrauen ihrem Instinkt und beweisen, dass klassischer Hardrock auch heute noch gefährlich, aufregend und unverbraucht klingen kann. (Nuclear Blast) P.Ro
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