Womöglich hat Oliver Welter, bekannt als Sänger und Mastermind der österreichischen Kultband Naked Lunch, auf Zuruf seines Freundes Ernst Molden endlich das getan, was er nach eigener Aussage vor Ewigkeiten schon hätte tun sollen: nämlich eine Platte in seinem, wenn man denn so will, „heimatlichen“ Kärntner Dialekt zu schreiben. Ohne wenn und ohne aber. Nach drei Jahrzehnten als englischsprachiger Frontmann von Naked Lunch wagt Oliver Welter einen radikalen Perspektivwechsel: Mit „Dås wird nix mehr“ veröffentlicht er sein erstes Songwriteralbum im Kärntner Dialekt. Elf Lieder, nur mit Steelstring-Gitarre begleitet, kreisen um Liebe, Tod, Abschied und die widersprüchliche Beziehung zur eigenen Herkunft. Das klingt nach Rückbesinnung, ist aber vor allem eine persönliche Abrechnung mit falscher Heimatromantik.
Welter setzt auf Reduktion statt Klangfülle, auf brüchige Intensität statt gefälliger Melodien. Seine Stimme trägt die Spuren eines bewegten Künstlerlebens, die Texte bewegen sich zwischen lakonischem Fatalismus, schwarzem Humor und existenzieller Schwermut. Dabei gelingt ihm eine reizvolle Verbindung aus der melancholischen Tradition des Kärntnerlieds und modernem Songwriting. Der Dialekt wirkt nicht wie folkloristisches Dekor, sondern wie die einzig passende Sprache für diese sehr persönlichen Geschichten.
Allerdings ist die konsequente Beschränkung auf Stimme und Gitarre Fluch und Segen zugleich. Sie schafft Nähe und lässt den Texten Raum, birgt aber auch die Gefahr musikalischer Monotonie. Wo die Songs nicht durch sprachliche Prägnanz oder emotionale Zuspitzung überzeugen, kann die karge Instrumentierung wenig auffangen. Große Gesten und überraschende Wendungen sollte man hier ohnehin nicht erwarten. Doch genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Welter will nicht glänzen, sondern erzählen. „Dås wird nix mehr“ ist kein Ausflug in die heile Heimatwelt, sondern ein ebenso melancholischer wie ungeschönter Blick auf das, was bleibt, wenn Lebenslügen und Gewissheiten brüchig werden. Dass dabei nicht jeder Moment die gleiche Intensität erreicht, schmälert den Gesamteindruck nur bedingt. Ein eigenwilliges, mutiges und angenehm unprätentiöses Album, das seine Wirkung weniger über musikalische Vielfalt als über Haltung, Sprache und Persönlichkeit entfaltet. (Bader-Molden) P.Ro
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