Vor knapp zwei Jahren überraschte dieses Trio, bestehend aus Thomas Köller (Gesang, Gitarre), Frank Weckert (Bass) und Daniel Simon (Schlagzeug), mit seinem Debüt Neuzeit. Jetzt erscheint das neue Album delir.ium. Die Live-Erfahrungen haben Last Belt Ceremony musikalisch in neue Sphären geführt: Stoner, Prog, Grunge, Psychedelic und Post-Punk – teilweise sogar innerhalb eines einzigen Songs. Der Titel des Albums weckt nicht nur Assoziationen an ein gestörtes Bewusstsein oder Halluzinationen. Die Formenvielfalt der Platte lässt zugleich an eine Dysbalance von Körper und Geist denken und sorgt für ein ausgesprochen spannendes Klangerlebnis. Temporäre Dissonanzen, plötzliche Tempowechsel und sphärische Klangstrukturen unterstreichen die musikalische Experimentierfreude des Power-Trios aus Dortmund, das sich auf den sechs Tracks seines Zweitlings hörbar austobt. Mit „demora“, spanisch für „verzögert, verspätet, langwierig“, wird man zunächst abgeholt. Der Song baut sich langsam, aber stetig auf und entwickelt sukzessive immer breitere Klangwelten, die sich in unterschiedlichsten Echo-Sounds der Gitarren und im Gesang als zusätzlichem Klangmodul entfalten. Die Taktwechsel in „raging river“ lassen an einen aufbrausenden Fluss oder an plötzliche Stimmungswechsel denken. Die Lyrics vermitteln dabei das Gefühl, sich einer nahezu unlösbaren Aufgabe stellen zu müssen – und diese letztlich doch zu bewältigen. „Drones“ vereint wohl am deutlichsten die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen. Die Referenz auf die männliche Honigbiene, deren einzige Aufgabe darin besteht, eine junge Königin zu befruchten, wird im Song langsam aufgeschlüsselt: Der ruhige Einstieg, kurze brachiale Einsätze, lange Tonschleifen und unerwartete Breaks symbolisieren das lange Arbeitsleben der Biene. Weiter geht’s mit „ides of march“, einem echten Prog-Rocker, während das anschließende „delir“ als regelrechte Stoner-Hymne daherkommt. An einen guten Rausch erinnert auch der letzte Track „purple poppy“, der von Kurt Cobain inspiriert ist. Das ist Heavy Psych Post-Grunge, wie er sein soll! (Paranoia Productions/Cargo) P. Ro
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