Hinter NICHTE stehen Luisa Eberth aus Regensburg und Claudia Zormeier aus Murnau. Zwei Musikerinnen, die sich nicht damit zufriedengeben, Pop einfach nur gefällig klingen zu lassen. Ihre Lieder sind eingängig, energiegeladen und bisweilen augenzwinkernd – gleichzeitig steckt in ihnen eine gehörige Portion Gesellschaftskritik. NICHTE rüttelt an dem, was im Alltag gerne als selbstverständlich hingenommen wird. „Geld isst Zeit“ ist dafür ein gutes Beispiel. Sprechgesang trifft auf E-Gitarren, mehrstimmigen Gesang und einen druckvollen Beat. Im Zentrum steht der Mensch, der ständig unterwegs ist: arbeiten, funktionieren, Geld verdienen, Zeit sparen. Nur wofür eigentlich? Der vermeintliche Wettlauf um Erfolg wird bei NICHTE zur grotesken Spirale, in der irgendwann nicht mehr klar ist, wer eigentlich wen jagt. Dabei verzichten Eberth und Zormeier auf den erhobenen Zeigefinger. Ihr Stil funktioniert eher über den kleinen Umweg. Da taucht schon einmal ein sonderbarer, kekseliebender „Herr Widerspruch“ an der Haustür auf und bringt das vermeintlich geordnete Leben durcheinander. Was zunächst nach skurrilem Nonsens klingt, entwickelt bei genauerem Hinhören eine zweite Ebene. Genau darin liegt eine der Stärken von NICHTE: Die beiden Musikerinnen erzählen nicht abstrakt über „die Gesellschaft“, sondern beginnen beim eigenen Alltag. Bei Situationen, die jeder kennt. Beim Gefühl, funktionieren zu müssen. Bei der Frage, ob man eigentlich noch selbst entscheidet oder längst von Erwartungen, Terminen und Routinen gesteuert wird. Und auch bei der Erfahrung, sich in diesem Dschungel des Lebens selbst zu verlieren. Dass die beiden dabei auch vor persönlichen und schmerzhaften Erfahrungen nicht zurückschrecken, macht ihre Musik glaubwürdig. NICHTE will keine fertigen Antworten liefern. Vielmehr öffnen Eberth und Zormeier Räume für Fragen – und lassen dabei durchaus zu, dass diese Fragen unbequem werden.
Musikalisch ist das Duo entsprechend breit aufgestellt. Pop bildet die Grundlage, doch Sprechgesang, Gitarren und mehrstimmige Passagen geben den Songs Kanten. Dazu kommt eine ausgeprägte Lust am Spiel mit Sprache und Bildern. Das Ergebnis ist Musik, die sich zunächst ins Ohr schiebt und anschließend im Kopf festsetzt. Einige dürften Luisa Eberth und Claudia Zormeier noch aus ihrer Zeit bei der Mädelsband Mayfly’s Memory kennen. Mit NICHTE haben sie dieses Kapitel hinter sich gelassen und eine eigene musikalische Sprache entwickelt. Eine Sprache, in der Humor und Ernsthaftigkeit dicht beieinanderliegen.
Auch der jüngste Song „Freier Fall“, im Frühjahr 2026 erschienen, fügt sich in dieses Bild. NICHTE bleibt in Bewegung – zwischen eingängigen Melodien und unbequemen Gedanken, zwischen Selbstironie und ernsten Themen. Auf der Bühne kommt schließlich noch eine weitere Dimension hinzu: die Stimmen der beiden Musikerinnen und eine kraftvolle Live-Band. Dann wird aus den manchmal skurrilen Alltagsbeobachtungen ein energiegeladenes Konzerterlebnis. NICHTE heißt also nicht, dass hier nichts gesagt wird. Im Gegenteil. Luisa Eberth und Claudia Zormeier haben einiges zu erzählen. Nur tun sie es lieber mit einem Lächeln, einer ordentlichen Portion Energie – und manchmal eben auch mit einem Keks.


