Walk a straight line

on Monday, 03 February 2020. Posted in CD

Marty & the Bad Punch

Walk a straight line

Fünf Jahre nach dem Debüt "Moon over Baskerville" folgt Ende Februar nun das neue Album von Marty & the Bad Punch "Walk a straight Line". Hat sich das lange Warten gelohnt? Diese Frage muss man mit einem eindeutigen „aber sowas von“ beantworten. Die Songs sind liebevoll mit vielen Details geschrieben worden. Jeder Ton passt perfekt, der Gesang harmoniert wunderbar mit dem jeweiligen Stil des Liedes, sei es eine Ballade, ein straighter Rock Song, Alter Bridge-mäßiger fast schon Modern Metal, unplugged Southern Rock oder einfach nur Classic Rock im Stil der 70er und 80er Jahre. David Cagle kann alles singen. Die Keyboards, Hammondorgel oder auch mal ein Honkytonk Piano setzten wunderbare Farbtupfer und die Gitarrensoli füge sich ob ihrer Art und Länge wunderbar in die Songs ein. Man kennt ja auch leider oft das Gegenteil, wo der Gitarrist irgendetwas spielt, das einfach nicht zum Lied passt. Der Flow des Albums ist ebenfalls gewählt, so dass sich die Lieder, ähnlich wie ein Überraschungsei, anfühlen. Man weiss nicht welcher Stil gerade als nächstes folgt und somit bleibt es von Anfang bis Ende ein spannendes Album. Die Produktion ist erste Sahne. Hier haben Carsten Enghardt und Dennis Ward (Mastering) einen klasse Job abgeliefert. Die Band ist technisch absolut auf der Höhe und auch die musikalischen Gäste tragen ihr Schärflein zum Gelingen bei. So gibt es geile Gitarrensoli von Bruce Kulick, Frank Pane, Tommy Denandner und JK Northrup zu bestaunen. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist für mich persönlich natürlich der Gesangsauftritt von der bezaubernden, umwerfenden und so talentierten Sarah Straub im Duett mit David Cagle, die hier eine weitere Kostprobe ihrer musikalischen Bandbreite zum Besten gibt. Sie kann nicht nur englische Pop Musik (früher) und deutsche Singer Songrwriter Musik (jetzt) sondern auch auf einem Rockalbum locker bestehen. Die Stücke im einzelnen:
1. Walk A Straight Line: Uriah Heep treffen auf Magnum, die Keyboards hat man sich von Deep Purple ausgeliehen. Marty schüttelt sich hier schon mal ein lässiges Gitarrensolo aus dem Ärmel. Ein sehr starkes Einstieg
2. Glass Mountain: Rainbow's 16th Century Greensleeves mit Dio am Gesang trifft auf schöne Keyboards und akustische Gitarren und ein ebensolches Solo.
3. Universe: Myles Kennedy von Alter Bridge könnte es nicht besser singen. Ein Modern Rock Song genau in deren Stil mit einem Wahnsinnsgitarrensolo von Frank Pane. Gerne bei Youtube nachzuhören/betrachten, da die zweite Singleauskopplung. Was für ein Brett.
4. Mary`s Theme: Kurzes Instrumental, Jean Michel Jarre's Oxygen meets Mondbasis Alpha 1 Titelmelodie.
5. The Last Song: Thunder schauen auch mal vorbei in dieser Ballade die von akustischen Gitarren, Piano und etwas Schlagzeug musikalisch untermalt wird. Ein sehr schön "reduziertes" Gitarrensolo schmeckt sie wunderbar ab.
6. My Demons: Die dritte Single aus dem Album zieht vom Tempo her noch etwas mehr an. Auch hier standen vermutlich Alter Bridge wieder Pate (zumindest höre ich es so raus). Tolley Keys, wunderbare Riffs und ein Axel Rudi Pell zur Ehre gereichendes Gitarrensolo von Bruce Kulick machen den Song zum Härtesten auf dem Album. Hier kommen auch Metal Fans auf ihren Geschmack. Video dazu gerne bei Youtube checken.
7. Feels Like Heaven: Mein Lieblingslied auf dem Album ist diese wunderbare Liebesballade, grandios im Duett gesungen von Sarah Straub im Duett mit David Cagle. Die Stimmen harmonieren absolut wunderbar und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Zum Ende hin gibt es noch ein leicht Countrymusik-artiges Gitarrensolo. Es wird die vierte Singleauskopplung werden und das Video, welches am 31.1.2020 gedreht wurde dürfte irgendwann in nächster Zeit auf Youtube zu bewundern sein. Also Augen aufhalten und fleißig liken und teilen.
8. Say Hi To Eileen: R.E.M. trifft auf Kid Rock. Ein Song mit leicht funkigen Keyboards und einem kurzen knackingen Gitarrensoli wird durch die wirklich tollen Refrains 
9. That Girl: Keith Urban und Kenny Chesney treffen auf Rocky Burnette und Ronnie Milsap mit einem Lynryd Skynyrd Piano. Einfach ein richtig guter Gute Laune-Countryrocksong mit wieder tollen und geschmackvollen Gitarrensolo und witzigem Handclapping. Ich musste grinsen beim Hören.
10. Standing On The Edge: Wieder mal eine gefühlvolle Rockballade, wo David seine ganze gesangliche Bandbreite zeigt. Wundervolles Solo, gänsehaut erzeugender Refrain plus bewegender Text kennzeichen dieses Lied. Einziger kleiner Makel ist das abrupte Ende.
11. Never Learned To Say Goodbye: Hier treffen wieder die Großen des Southern Rock auf einander Lynyrd Skynyrd und Molly Hatchet werfen ihre Gitarren in den Ring.
12. The Messenger (Interlude): Jan Hammer's Miami Vice Theme als Keyboardinterlude. Zumindest hört es sich so an.
13. Zakopane: Single Nummer 1 aus dem Album erinnert auch wieder an Alter Bridge gemischt mit Creed, die Keyboards sind süffig, der Refrain frisst sich im Gehörgang fest und das Gitarrensolo könnte auch von David Gilmour stammen. Tatsächlich zeigt hier Tommy Denander sein großes Können. Auch hier wieder gerne der Hinweis auf Youtube wo es ein Video gibt.
14. Raging Fire: Alte Dare meets jüngere Uriah Heep, die Hammondorgel im Song ist echt der Hammer. Stark
15. Turn To Stone: Hier wird es nun richtig Classic Rock mäßig. Jackson Browne trifft auf Tom Petty abgeschmeckt mit einem guten Schuss Eagles. Jeff Lynne hat hier produziert. Ok natürlich nicht, aber genau so hört es sich an. Richtig coole Halbballade mit einem Mike Campbell Gedächtnisgitarrensolo.
16. The Weight Of The World: Akustische Ballade mit Countryeinschlag im Refrain und einem tollen Gitarrensolo.
17. Southbound Train: Unplugged gehalten, mit coolem Piano im Hintergrund und klasse Gitarrensolo von JK Northrup kommt einem hier die Southern Rock Fraktion um Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet ins Gedächtnis.
18. The Story Of The Making Of…: Witzige Idee, das Entstehen eines Songs zu dokumentieren. The Making of the Making of The fire still burns von Russ Ballard kommt mir hier in den Sinn.
Fazit: Ein wunderbar abwechslungsreiches Album, welches jeder Fan von klasse Rock-Musik bzw. Fan der bereits erwähnten Bands im Schrank stehen haben sollte. Ich vergebe sechs Punkte für das Album plus einen halben Bonus Punkt für das Mitwirken von Sarah Straub (wer mich kennt weiß warum) was somit fast die Höchstwertung ergibt. Mir gefiel nur das Ende von "Standing on the Edge" nicht und zudem passen die beiden kurzen Zwischenstücke nicht auf die Platte bzw. erschließt sich mir deren Sinn nicht. Die Höchstnote gibt es vielleicht dann das nächste Mal. In dem Segment wird es aber heuer vermutlich kaum Besseres geben. (Enghardt Media/ Edel) HJH

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