Still Chained

on Thursday, 28 March 2019. Posted in CD

Mass

Still Chained

Über 30 Jahre lang sah es eher nicht so aus, als würde nach MASS nochmal ein Hahn krähen. Nachdem die in der Oberpfalz gegründete Band 1986 ihre vorerst letzte Platte mit dem schicken Titel „Kick Your Ass“ (und noch schickerem Cover) veröffentlicht hatte, lösten sich die Hard Rocker bzw. Proto-Metaller kurze Zeit später auf. Erst 2017 ließ sich Bassist Günther V. Radny durch diverse Ereignisse, wie die Neuauflegung einiger MASS-Alben durch SPV, dazu hinreißen, seine ad acta gelegte Truppe zu reformieren. Im Zuge dessen präsentiert der Vollblutmusiker nun 2019 fünfzehn neu aufgenommene Songs und lässt sich dabei nicht von früheren Mitgliedern unterstützen, sondern von Andi Gmeinwieser (Drums) und seinen Mystic-Eyes-Kollegen Hans Heid (Gitarre), Clemens Matejka (Orgel) und Matthias Pfaller an den kraftvollen, dennoch klaren Vocals. Deshalb sind auf „Still Chained“ auch erstmals satte Orgeltöne zu hören, die dem Hard-Rock-Gerüst alter MASS-Klassiker zusätzliche Tiefe und dem leicht modernisierten Sound eine angenehme Wärme verpassen. Eröffnet wird mit der gelungenen Adaption von „Back To The Music“, den es erstmals auf dem 1979 erschienenen „Slaughterhouse“ zu hören gab, und auch der folgende Querschnitt der zwischen 1979 und 1986 erschienenen LPs (das eher knarzig-hippiesque Debüt ist nicht vertreten) erweist sich in frischem Gewand als äußerst adrett gekleidet. Der komplett neue Party-Klopfer „Restless“ fügt sich zudem perfekt in den vorgegebenen Rahmen ein, genau wie der abschließende Schlachtruf „We Are Back“, der mit seinem zügigen Metal-Riff und dem aggressiven Gangshout im Refrain auftrumpft. Besonders diese zwei Tracks lassen auf ein weiteres Album mit gänzlich neuem Material hoffen, das die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart über den nichtssagenden Malstrom der zeitgenössischen Populärmusik perfekt schlagen könnte. „Still Chained“ katapultiert eine Band in die Gegenwart, deren Karriere den für damalige Zeiten charakteristischen Werdegang von eher harmlosem Rock'n'Roll hin zu schnellerem Protometal beispielhaft, jedoch eher im Underground verhaftet, skizzierte und lässt MASS mit neuem Guss und Glanz aufleben. (Pride & Joy Music) Jacqueline Floßmann

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