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Josef Hader präsentierte am 17. März im Garbo-Kino seinen neuen Film „Andrea lässt sich scheiden“

Am 4. April läuft der Film offiziell dann in den Kinos an!

Lange Schlangen vor dem Regensburger Garbo-Kino am 17. März – der Grund: Josef Hader, der österreichische Kult-Autor, Kabarettist und Filmemacher, stellte seinen neuen Film „Andrea lässt sich scheiden“ persönlich vor an drei Terminen an diesem Sonntag. Dreimal volle Hütte. Und er hat Achim Hofbauer versprochen, dass es keine sieben Jahre dauern wird, bis er wieder kommt.

Achim Hofbauer, der Betreiber des Garbo-Kinos, hätte eigentlich gar keine Werbung machen müssen, für diesen Vorpremierenabend von „Andrea lässt sich scheiden“ (Kinostart: 4. April). Das Ticketkontingent für den „neuen Hader“, es verkaufte sich sowieso in Windeseile. Denn jeder weiß: Wenn er vorbeikommt, der Josef Hader, dann läuft da nicht nur ein cineastischer Leckerbissen über die Leinwand. Nein, am jeweiligen Ende der drei Vorstellungen, da stellt sich der Kabarettist („in Österreich bin i Mainstream, in Berlin reagieren’s auf mi eher wie auf Kaurismäki“) den Fragen aus dem Publikum. Und dabei entfaltet er genau jene Mischung aus Stand-up-Qualitäten und tiefgründiger Interpretation, aus illuminiertem Witz und spirituellem Ernst, aus exaltierter Komödie und philosophischem Existenzialismus, sodass am Ende jede einzelne Kinobesucherin (und erst recht ihr Begleiter, denn laut Frauenmagazin „Donna“ finden ihn „vor allem Männer“ toll) das Gefühl hat, noch eine Extraqualität hineingepackt bekommen zu haben, in sein Einkaufssackerl. Denn der Begriff „Personalunion“, wurde der nicht eh erst erfunden, für Josef Hader?

Weißer Golf und roter Corsa

In „Andrea lässt sich scheiden“, Josef Hader verfilmt als Regisseur sein eigenes Drehbuch, dauert es zwar ein bisschen, bis er auch als Hauptdarsteller Franz die Szenerie betritt: Aber bis dahin ist schon so viel passiert, dass man ums Spoilern kaum herumkommt. Denn die großartige Birgit Minichmayr in der Rolle der titelgebenden Polizistin Andrea, sie muss ihren Entschluss, sich vom Andy (nicht minder grandios: Thomas Stipsits) scheiden zu lassen, gar nicht mehr verwirklichen. Denn es ist etwas passiert, wozu man in Österreich sagt: „Da fährt der Zug drüber.“ Damit ist gemeint, dass nunmehr das, was vorher anzweifelbar war, für alle Zeit unwiderruflich fix ist. Andrea hat mit ihrem weißen Golf den Andy nämlich: totgefahren. Bis der Franz daherkommt, ein aus dem Schuldienst vorzeitig ausgeschiedener Religionslehrer und – wie er jeden sogleich wissen lässt – trockener Alkoholiker, mit seinem roten Opel Corsa. Und glaubt, die Schuld der Polizistin auf sich nehmen zu müssen. Daraus entwickelt sich ein kurioses Spiel um die Sühne, das erst recht Fahrt aufnimmt, als sich der von Robert Stadlober sensationell spooky gespielte Walter in die Andrea verliebt. Dass am Ende aber nicht nur die Moral, sondern auch die Justiz siegen wird, ist im Film tatsächlich etwas wolkig formuliert. Sodass eine Zuschauerin meint, ihr sei das zu wenig konturiert. Da aber läuft der Josef Hader, in seiner Rolle als Autor des Skripts, zu großer Form auf, verteidigt den von ihm beabsichtigten lakonischen Minimalismus und verwickelt die Zuschauerin in einen Dialog, in dem er durch strenge logische Deduktion aufzeigt, dass das Finale eben gar keiner expliziten Ausformulierung bedarf. Weil die Zukunft der zweifellos straffällig gewordenen Andrea ohnehin mehr oder weniger vorgegebenen ist. Aber „ohnehin“ sagt keiner, in Österreich, alle sagen „eh“. Was eine Zuschauerin, die diese Gegend um Laa an der Thaya im niederösterreichischen Weinviertel offenbar ganz gut kennt, zu dem fulminanten Satz hinreißt, ihr hätte gefallen, wie dieses ausschließlich Vornamen tragende Figurenarsenal des Films, allesamt Landbewohner, in den Fokus gerät: „Das Überzeichnete, das teilweise gar nicht überzeichnet ist.“

Vollkommene Wahrhaftigkeit

Im anschließenden Gespräch mit der Mediengruppe Bayern bekennt sich Josef Hader ganz ausdrücklich dazu, dass er seine Expertise als Autor und Filmemacher darin sieht, ein Porträt der Menschen vom Land zu zeichnen. Seine Vorbilder seien jene Regisseure, die das „New Hollywood“ vertraten und Drama und drastische Komik übereinander zu blenden verstanden. Interessant, wie im Film die einen den Kitsch der „Paldauer“ und der „Seer“ hören. Die Andrea aber auch da ihren eigenen Weg geht und auf den sanften Pop-Intellektualismus von „Bilderbuch“ setzt. Dem Scheitern von Figuren Ausdruck zu verleihen, das ist sein Ziel: „Ich hab‘ eine Freude daran, Menschen zu zeigen, die unsouverän sind!“ Er seziert sie gerne, mit einer Pinzette. Vorbild für den Franz, das sei ein guter Freund gewesen. Und der wiederum habe viel damit zu tun, „wie ich als Kind war! Zurückgezogen, ein bisserl dicklich und gutmütig.“ Und so offenbart sich Josef Hader am Ende auch noch als gänzlich uneitel, in seinem Streben nach vollkommener Wahrhaftigkeit.

Josef Hader und Peter Geiger

Ganz am Ende sagt Josef Hader, dass er Regensburg so gerne mag, dass er sich vorstellen kann, hier leben zu wollen. Weil die Stadt weder zu groß noch zu klein sei und sie ihn an Venedig erinnere.

Peter Geiger