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Der Prinz von Schiras

Premiere am 16. Dezember im Theater am Bismarckplatz in Regensburg

Operette in drei Akten von Joseph Beer, Libretto von Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda

Fast 90 Jahre mussten vergehen, bis das Erstlingswerk des jungen Komponisten Joseph Beer, uraufgeführt 1934 in Zürich, auf eine deutsche Bühne zurückkehren konnte. Das Theater Regensburg feierte am vergangenen Wochenende die Deutschland-Premiere dieser lange verschollenen Operette.

Dabei war die Wiederentdeckung der Partitur eine wahre Detektivarbeit. Sebastian Ritschel als Regisseur und Ronny Scholz, verantwortlich für die Dramaturgie, berichteten im Vorgespräch mit Peter Pany vom Musikverlag Doblinger in Wien über die kuriose Geschichte der Auffindung der Partitur, von der zunächst lediglich ein Klavierauszug vorhanden war. Anwesend bei diesem Gespräch waren auch die Tochter Joseph Beers sowie ein Neffe, die beide eine lange Anreise nach Regensburg zu dieser Premiere auf sich genommen hatten.

Ort der Handlung ist zunächst ein Luxusliner, der mit illustren Gästen irgendwo im Pazifik unterwegs ist. Da ist die junge Amerikanerin Violet Colton (Kirsten Labonte), die den Herren an Bord gehörig den Kopf verdreht, obwohl sie mit Harry Hastings (Michael Haake) verlobt ist. Der geheimnisvolle Prinz von Schiraz (Carlios Moreno Pelizari) verguckt sich in sie, und als das Schiff von Japanern angegriffen wird (wo und in welchem Jahr befinden wir uns eigentlich?), bringt der Prinz die Passagiere in seinem persischen Palais in Sicherheit. Violet lässt den Prinzen abblitzen, deshalb entführt er sie in seinen Harem. Als sie ihm die Ehe verspricht, kann sie zurück nach Amerika reisen. Im letzten Akt dann die Lösung der Verwicklungen – Operettensujet halt.

Auf der Bühne am Bismarckplatz begeisterte ein ungemein spielfreudiges Ensemble das Publikum. Da sind die Mitglieder des Tanztheaters, die gleich als Auftakt ein rasantes Tempo vorlegten und immer wieder die überbordende Stimmung anheizten. Der Opernchor agierte gewohnt souverän, die beiden Hauptfiguren Kirsten Labonte und Carlos Moreno Pelizari zeigten in ihren Duetten, dass einige Stücke Ohrwurmpotenzial haben. Ebenso begeisterten Theodora Varga als Jasmine, Michael Haake, Scarlett Pulwey, Matthias Störmer, Paul Kmetsch, Fabiana Locke und Felix Rabas mit schwungvollen Gesangsnummern.

Beers Musik changiert zwischen üppigen Operettenmelodien und kräftigen Jazzelementen und ist ungemein mitreißend. Besonders die Zwischenaktstücke klingen modern und spritzig und könnten auch als Filmmusik durchgehen. Da konnte auch das Philharmonische Orchester unter Leitung von Stefan Veselka mit Spielfreude und Eleganz punkten und das Publikum begeistern.

Die Glitzerkostüme, entworfen von Sebastian Ritschel, passen zur ausgelassenen Luxusgesellschaft auf dem Ozeanliner. Eine riesige silberne Geschenkbox als Bühnenbild (Kristopher Kempf) fungiert zunächst als Deckaufbau des Schiffs, verwandelt sich in das schwülstige Serail in Persien und mutiert zum Schluss in die abgetakelte Ranch von Miss Violet in den USA – „HAPPY AND …?“  ist auf die Wand gepinselt und verspricht einen versöhnlichen Schluss.

Ein Happy End nahm auch die intensive Suche nach dem verschollenen Musikwerk – die Mühen der Nachforschungen haben sich offensichtlich gelohnt.

Und zuletzt: Am 29. Dezember ist im Deutschlandfunk Kultur die Tonaufnahme der Premiere von „Der Prinz von Schiras“ zu hören – Beginn 20.03 Uhr (dlf Kultur). Außerdem wird die Operette den begehrten „Operetten-Frosch“ des BR erhalten. Der Preis würdigt Operetten-Mut und ehrt besondere, originelle und zeitgemäße Produktionen, wie die MZ vermeldete.

Weitere Vorstellungen am 20. und 31. Dezember, am 7. und 13. Januar, im Februar, März und April.

Fotokredit: Theater Regensburg