altemaelze

Keine Angst

Sarah Straub

Ein sehr nachdenkliches Werk, das aber durchaus Spass macht!

Mit „Keine Angst“ gibt es nach der EP „Tacheles“ endlich ein vollständiges Album mit deutschen Texten komplett aus der Feder von Sarah Straub. Die zwölf neuen Lieder (ein weiterer Song stammt vom Hanika, Straub, Banez- Album. während der Song „Mein Glück“, hier in der Piano Version mit Jo Barnickl bis dato eine digital only Veröffentlichung war“) kehren textlich teilweise das Innerste der Künstlerin heraus und basieren auf persönlichen Erlebnissen. Es ist ein klassisches Liedermacher-Album geworden, für das man am Besten ein Glas Rotwein bereit hält. Party machen ist hier nicht, denn flottes Liedgut findet hier nicht statt. Das perfekt produzierte Werk basiert in der Majorität nur auf dem klasse Klavierspiel und der glockenklaren Stimme von Sarah. Ab und zu gibt es mal einen Saxophonpart bei „Schokoeis mit Sahne“ oder zwei schöne Gitarrensoli von Andreas Ferra bei „Lego“ bzw. dem besten Song auf dem Album „D’zeit hoilt alle Wunda“ gesungen im schwäbischen Dialekt mit einem Text, der einen wütend, aber auch hoffnungsvoll macht. Es handelt vom sexuellen Missbrauch, der ihr widerfahren ist, der Reaktion der Polizei auf die Anzeige, aber auch den Mut, sich dem allen zustellen und den Finger zu heben. Ich bin mir sicher, dass diese Person, die ihr (und auch anderen) das angetan hat, genau weiss, dass sie gemeint ist und hoffentlich irgendwann das bekommt, was sie verdient. Der Rest dreht sich unter andere um den kritischen Umgang bzw. den Auswirkungen der Corona-Pandemie („Bumerang“ bzw. „Pandemiewalzer“ mit Akustikgitarrenbegleitung von Flo Hirle), wo immer wieder textlich die Einflüsse ihres Mentors Konstantin Wecker durchschimmern,  oder auch der immer noch vorherrschende Schönheitswahn mit all seinen negativen Auswirkungen und wie man selbst für sich dagegen steuern kann, denn jeder ist für sich genommen schön, egal was andere sagen oder denken („Du bist so schön, wenn du lachst“ bzw. „Falten zählen“). Ein sehr nachdenkliches Werk, das Spass macht, auch wenn die Musik an sich nicht wirklich meine Welt ist. Hier haben mir dann die beiden Vorgängerveröffentlichungen mehr zugesagt. Dennoch gibt es von mir in Summe, auch für den Mut seinen Seelenleben der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sechs Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung. (Sturm&Klang) HJH

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