altemaelze

Passadinha

Elsa Johanna Mohr/ Flávio Nunes

„Passadinha“ bringt etwas südamerikanische Leichtigkeit in die zunehmende  Schwermut in Europa

Die 96. Folge von „Jazz thing Next Generation“ klingt eindeutig nach brasilianischer Musik, doch die Sängerin Elsa Johanna Mohr kommt aus Düsseldorf. Bereits während ihrer Schulzeit verbringt sie ein Austauschjahr in Brasilien und da war es um sie geschehen; sie verliebt sich in den Boassa Nova bzw. in die easy going Latinmusic. Ein Studium der portugiesischen und brasilianischen Literaturwissenschaft in München einschließlich einer Bachelor-Arbeit über den brasilianischen Komponisten Dorival Caymmi schließt sich an, währenddessen singt und spielt sie in diversen Bands und studiert dann Jazzgesang in Osnabrück.
Auf ihrem Debüt-Album „Passadinha“ ist sie nun zusammen mit dem brasilianischen Gitarristen Flavio Nunes zu hören. „Flavio lebt seit drei, vier Jahren in Deutschland und beim Jammen und ersten kleinen Auftritten hat es einfach gepasst“, erinnert sich die Sängerin. „Was Flavio sehr besonders macht, ist seine sensible Art der Begleitung. Ich fühle mich sehr gesehen und gehört von ihm, da er sehr feinfühlig ist.“ Nunes, der sowohl an der akustischen als auch an der elektrischen Gitarre zu hören ist, trägt viel bei. Er spielt sehr einfühlsam und beherrscht die komplexesten Rhythmen. Auf diese Weise gibt er Mohrs sanften und lässigen Gesang Tiefe und eine zusätzliche Dimension.

Zusammen haben die beiden ein Repertoire aus Mohrs Originalen und diversen brasilianischen Klassikern zusammengestellt, zu denen beispielsweise „Fechado Pra Balanço“ von Gilberto Gil oder „Tempo de Amor“ aus der Feder von Baden Powell gehören. Nahtlos fügen sich die eigenen Stücke ein, die Mohr in Portugiesisch verfasst hat. Das melancholisch klingende „Casuleira“ – hier begleitet sich Mohr selbst auf der Gitarre – spielt mit hohen Tönen. „In dem Song – ‚Casuleira‘ bedeutet so viel wie Kokon – geht es um eine Frau, die sich einmauert und versucht, Gefühlen aus dem Weg zu gehen, um nicht verletzt zu werden“, erläutert die Sängerin. Im Bossa Nova „Gíria“, das mit dezenter Perkussion veredelt wurde, geht es um die Sprache, die in Brasilien gesprochen wird und deren Fallstricke. „‚Passadinha‘ bedeutet so viel wie kleiner Spaziergang und hat einen ziemlich dramatischen Hintergrund“, sagt Mohr. „Ich habe mal in einem kleinen Dorf in der Nähe von Belo Horizonte gelebt. Dort hat sich jemand in mich verliebt, der sehr eifersüchtig wurde, als ich mit jemand anderem zusammen war. Er hat nachts alle meine Klamotten aus dem Haus geworfen, die hingen dann in den Bäumen.“ Natürlich darf hier ein Vergleich mit der legendäre Astrud Gilberto nicht fehlen. Und dabei schneidet dieses aktuelle Scheibe nicht einmal schlecht ab. Es gilt bei diesem feinen Album von Elsa Mohr der (etwas abgewandelte) Satz: Zum Glück bist Du nicht in Düsseldorf geblieben! „Passadinha“ macht Spaß, zaubert ein Lächeln auf das Gesicht und bringt etwas südamerikanische Leichtigkeit in die zunehmende  Schwermut in Europa. (Double Moon/Bertus) HuGe

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