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Your Mother Should Know: Brad Mehldau Plays The Beatles

Brad Mehldau

Klingt schon etwas ungewöhnlich, Beatles-Songs nur am Piano zu hören, aber Beatles-Fans durchaus zu empfehlen. (

Wer Brad Mehldau schon live erleben durfte, weiß: bei seinen Solo- und Trio-Konzerten spielt er regelmäßig Songs der Beatles. Bald kann man sich auf ein ganzes Soloalbum freuen, auf dem der US-Musiker den Fab Four seinen Tribute zollt. Denn sein neues Live-Album umfasst neun Interpretationen von John Lennon & Paul McCartney-Songs sowie seine Neudeutung eines Stücks von George Harrison („If I needed somewhere“). Obschon eine Auswahl an Beatles-Songs bereits seit Jahren zum Programm von Mehldau-Konzerten zählt, spielte er bislang keins der „Your Mother Should Know“-Stücke ein. „Die Songs der Beatles sind von unbestreitbarer Universalität geprägt“, sagt Mehldau. „Ihre Musik durchschneidet kulturelle und generationelle Grenzen, während neue Zuhörer sie immer wieder für sich entdecken. Ihre Songs haben eine Unmittelbarkeit und Integrität, die jeden anzieht. Als ich mit dem Pianospielen anfing, befanden sich die Beatles noch nicht auf meinem Radar, aber ein Großteil der langlebigen Piano-Pop-Musik, die ich im Radio hörte, ging aus ihren Songs hervor. Diese Musik wurde Teil meiner Persönlichkeit, und als ich später die Beatles entdeckte, verband sich alles miteinander. Ihre Musik und ihr großer Einfluss auf andere Künstler prägen meine Arbeit weiterhin.“ Dazu führt er weiter aus: „In seinem Buch ‚The Western Canon‘ trat Harold Bloom der Frage entgegen, was die Langlebigkeit bestimmter Bücher ausmacht: In den meisten Fällen deutet die Antwort auf Eigenarten und Formen von Originalität hin, die entweder nicht assimiliert werden können oder die uns so assimilieren, dass wir sie nicht mehr als Eigenartigkeiten ansehen. Wenn wir die Beatles und die Vielzahl von Künstlern betrachten, die von der einen oder anderen Facette ihres Schaffens beeinflusst wurden, ist dieses paradoxe Rezept für Langlebigkeit eine Möglichkeit, ihren anhaltenden Fußabdruck in der populären Musik zu begreifen“, fährt Mehldau fort: „Denn ein Großteil ihrer Musik ist sehr eigenartig, insbesondere in der Reihe bahnbrechender Alben, die mit ‚Rubber Soul“ begannen und bis zur Veröffentlichung ihres letzten Albums ‚Let It Be‘ reichten.“ Das Album wurde bereits im September 2020 in der Philharmonie de Paris aufgenommen. Das Album endet übrigens mit einem Nicht-Beatles-Track –  mit einem Klassiker aus der Feder von David Bowie („Life on Mars?“, der eine Verbindung zwischen den Beatles und Pop-Songwritern darstellt, die ihnen nachfolgten. Klingt schon etwas ungewöhnlich, Beatles-Songs wie „I am the walrus“, „I saw her standing there“ oder She said, she said“ nur am Piano zu hören, aber Beatles-Fans durchaus zu empfehlen. (Nonesuch Records/Warner) P.Ro

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