altemaelze

Beyond

Autograph

Auch wenn kein „Turn up the Radio“ in Sicht ist, macht es doch Spass dieses balladenfreie Werk in der Schnittmenge von Glam, Sleaze und Hard Rock anzuhören.

Fünf Jahre nach dem letzten Album „Get off your Ass“ erschien dieser Tage mit „Beyond“ das erst fünfte Album der seit 1984 aktiven Glam Hard Rocker von Autograph. Von der Urbesetzung ist hier allerdings nur noch Bassist Randy Rand an Bord (der jedoch vor der Veröffentlichung plötzlich verstarb). Das tut dem Ganzen dennoch keinen Abbruch, ist das Gebotene auch in dieser Besetzung stark genug, was man von der Eigenproduktion leider nicht so ganz sagen kann. Die Lieder hätten ein besseres Soundgewand verdient. Und auch wenn kein „Turn up the Radio“ in Sicht ist (vermutlich der Song, den, so wie ich, die meisten von Autograph kennen), macht es doch Spass sich das balladenfreie Werk in der Schnittmenge von Glam, Sleaze und Hard Rock anzuhören. Der Gesang von Simon Daniels ist klasse, die Backgroundvocals/Chöre runden wunderbar ab und es gibt immer wieder klasse Gitarrensoli von Jimi Bell, der auch bei House of Lords zeigt, was er an der Gitarre so drauf hat. Leider hat der Drumsound, wie so oft, diesen typischen Frontiers-Einschlag: leicht humpelnd und etwas nervig. Der Einstieg ins Album „This ain‘t the place I wanna be“ könnte als geschmeidige Hard Rock Nummer auch auf einem früheren Bon Jovi Album (als der noch wusste, wie man richtig rockt) eine gute Figur machen. „Your Slave Tonight“ biegt dann ab Richtung Sleaze/Glam Rock auf dem Sunset Strip (auch wenn der Text schon recht peinlich daherkommt) während mich das nachfolgende „Everything“ an aktuelle Thunder erinnert. Das mit einem pfefferigen Gitarrensolo veredelte „Gotta getcha“ wiederum ist ein Fest für alle Tesla Fans. Def Leppard schauen beim eher ruhigeren „Take me higher“ vorbei, während man beim musikalisch/rhythmisch eher ungewöhnlichen „Run for your life“ fast schon Ozzy Osbourne am Mikro erwartet. Hier wird dann auch gitarrentechnisch so richtig vom Stapel gelassen. Unterm Strich also kein Album, das die Musikwelt aus den Angeln heben wird, aber gut durchläuft und fünf Sterne verdient. Wer es lieber Digital mag, bekommt noch mit „Mind of Fear“ einen Download only Bonus Track mit auf den Weg, der den Weg, warum auch immer, nicht auf die CD fand. Bei YouTube gibt es im Frontiers Channel das Video zur Singleauskopplung „This ain’t the place I wanna be“ wenn sich jemand lieber vorab erst mal „informieren“ will, wie sich die aktuelle Bandversion so anhört. (Frontiers) HJH

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