altemaelze

A Dry Scary Blue

Sean Keel

Wer Liebe zu TOM WAITS sein Eigen nennt und auch mit COHEN und FLANNERY O’CONNOR glücklich wird sollte hier unbedingt reinhören, der Mann ist wirklich besonders!

Wenn einem ein Release mit den Worten „ein Mathematik-Professor aus Austin, der musikalisch nicht grad ein Quell der Freude ist… Keine leichte Kost“ angekündigt wird, ist der Industrial-/Avantgarde-/Experimental-gestählte Rezensent auf alles gefasst – und stellt fest, dass vieles doch nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Bei SEAN KEEL handelt es sich in der Tat um einen Professor der Mathematik (und Troubaduour und Autor) aus Texas, der nach vier Bandcamp-Releases (drei davon als Mitglied seiner Band BILL THE PONY) mit „A Dry Scary Blue“ sein erstes Label-Release auf Icons Creating Evil Art vorlegt. KEEL arbeitet in bester Singer-/Songwriter-Tradition, stark von TOWNES VAN ZANDT beeinflusst. Produziert von Gabriel Rhodes entstanden zehn ruhige, glasklar arrangierte Songs, bei denen die akustische Gitarre dominiert und die restlichen Instrumente sparsam aber punktgenau eingesetzt werden. Die Stimmung des Albums ist verhalten, retrospektiv, auch leicht traurig, aber das Ding zieht einen nicht runter. So war das, so ist das – ja mei, wie der Bayer sagt. Was diese Songs so besonders macht ist KEEL’s Stimme: Hoch, heiser, die Stärke liegt im Detail und der erste Eindruck eines gebrochenen Künstlers täuscht enorm. Wer Liebe zu TOM WAITS sein Eigen nennt und auch mit COHEN und FLANNERY O’CONNOR glücklich wird sollte hier unbedingt reinhören, der Mann ist wirklich besonders – vielleicht kein Quell der Freude, aber es müssen ja nicht immer alle Löcher aus dem Käse fliegen… (Icons Creating Evil Art) TheRealPal

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