altemaelze

Mother Universe

Molllust

Geboten wird Opera Metal, der noch einen Schritt weiter geht wie der handelsübliche Symphonic Metal!

Die Leipziger Band Molllust veröffentlicht Ende November ihr drittes Album „Mother Universe“.  Perfekt gemischt von Joost van den Broek, der u.a. auch Powerwolf  oder Epica produziert,  hat die Scheibe ein wirklich interessantes Konzept. Das Sonnensystem wird in elf Songs (alle nach den Planteten benannt) bereist und bietet, wie bei einer Reise üblich, noch einen Start- und Endpunkt (Overtüre bzw. Epilog) und immer gleichnamige Zwischenstopps (hier Promenade genannt), die sich musikalisch immer etwas vom Vorgänger unterscheiden. Geboten wird Opera Metal, der noch einen Schritt weiter geht wie der handelsübliche Symphonic Metal, den Bands wie Epica, Nightwish, Within Temptation usw. spielen. Hier ist der Name wirklich Programm, gibt es doch echte Streicher, epische ausschweifende Chöre, Bläser, die zumindest musikalisch eine perfekte Symbiose mit dem Metal-Anspruch eingehen. Die Musiker sind alle perfekt an ihren Instrumenten, egal ob Streicher oder die Band. Leider fehlt mir persönlich dann wie so oft hier und da ein Gitarrensolo mehr. Aber das ist Geschmackssache. Eher schwierig wird es dann beim Gesang, denn sowohl der weibliche als auch männlich Part (oder ab und zu beide im Duett)  sind nur in den höchsten Opernarien unterwegs – Sopran bzw. Tenor  (man sollte keine Gläser in der Nähe haben), was es zumindest für mich extrem schwer bis unmöglich macht, das Album komplett durchzuhören, obwohl ich ein Fan der vorgennannten Bands bin. Ich kann mit Opern nichts anfangen und hab nur einmal gezwungener Maßen (Schulveranstaltung) Don Gioavanni gesehen.  Ist echt brutal anstrengend und schade um die mit viel Liebe zum Detail komponierte Musik, wie das balladeske „Venus“, das eher getragenere „Erde“ mit viel Chor und W/M Duettgesang, das fast schon Rammstein/Industrial-hafte „Saturn“ mit maschinellem männlichem Chorus, das epische mit massivem Choreinsatz siebenminütige „Mars“ oder der doomige an Candlemass usw. erinnernde Merkur aka „Mercury“ mit einem kleinen, kurzen aber feinen Gitarrensolo. Aber ich hielt wacker die fast 80 Minuten durch und kann der Scheibe somit vier Sterne geben (sechs für die Musik, zwei für den Gesang), wobei die eher avisierte Zielgruppe, die mit dem Gesang eher etwas anfangen kann, noch den einen oder anderen Stern drauf legt. Wer sich von der Review dennoch nicht abgeschreckt fühlt, checkt YouTube für einen eigenen Höreindruck, denn einige Songs aus dem Album sind hier im offiziellen Channel der Band in Gänze anzuhören. (Motor Entertainmend) HJH

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