altemaelze

Bad News

The Gäs

Die vier Kölner und ihr Drummer aus dem Revier überzeugen mit dieser Scheibe absolut!

Sie kommen aus Köln und spielen seit 2017 zusammen. Stilistisch ist ihr Sound in den 1970ern verwurzelt. Um der hedonistischen Dreifaltigkeit Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll zu huldigen, dann sollte der Bandname Programm sein. Das wissen The Gäs um Sänger Pedro Cardoso – und liefern entsprechend breitbeinig groovenden, roh röhrenden Hard Rock. Mit ihrem zweiten Wurf nach dem Debut „Savage“ überzeugt der Fivepack aus NRW um erneut mit zehn neuen Pressure-Tracks. Erneut ist es eine Gemeinschaftsproduktion der drei im musikalischen Zentrum des Geschehens stehenden Gitarristen Jakob Timmermann, Michael Krol und Mike Schneider mit Pedro Cardoso, der auch die Lyrics zu den vorwärtstreibenden Songs des Albums geliefert hat. Im Line-up der Band gibt’s im Vergleich zum ersten Album eine Änderung: Der neue Drummer Hanno Kerstan stieg mitten im Lockdown ein und prügelt die Band nun präzise entlang den Seventies-Roots, die dem kompromisslosen Hard Rock der Band die Grundlage geben. Wer deshalb aber glaubt, schon zu wissen, was ihn mit „Bad News“ erwartet, liegt falsch: „Jeder unserer Songs soll immer eine Überraschung bringen, das ist uns sehr wichtig“, beschreibt Michael Krol das Herangehen an neue GÄS-Tracks. Damit zeigen die Fünf, was gut gemachter Hard Rock zu bieten haben kann: Exzellente Gitarrenriffs mit eben immer der einen Idee mehr, raumelodischer Gesang und drängende Beats, die den rotzigen GÄS-Sound in die Glieder drücken und dabei keine Zeit zum Grübeln lassen. „Bad News“ ist auch komplett live und analog im Studio der Leverkusener Soundlegende Dirk Baldringer eingespielt. Mit ihm haben The GÄS nach ihrem Debüt in Sachen Sound noch einmal nachgelegt. Damit erinnert „Bad News“ an große Live-Alben des Stadion-Rocks und ist dabei gleichzeitig energisch neu.

Michael Krol, Jakob Timmermann und Mike Schneider zaubern wie schon auf „Savage“ wieder ein Gitarrengewitter, das aufhorchen lässt: Wie immer wechseln Michael Krol und Mike Schneider den Viersaiter, so dass beide abwechselnd die Gitarren mit Jakob kreuzen. „Mike und Michael haben am Bass durchaus unterschiedliche Anschlagstechniken, und ich komme mit beiden sehr gut zurecht“, erklärt Hanno den Basic Groove der Songs. Der Duisburger, der oft auch als rhythmisches Rückgrat von Mystic Prophecy zeigt, warum das italienische „Batteria“ manchmal vielleicht die treffendste Bezeichnung für ‚Drum Set‘ ist, nutzt bei The GÄS den klassischen Aufbau des Rock Drummings. Gleich mit dem Titeltrack wird deutlich, wohin das Album will: Hanno Kerstan peitscht mit jedem Viertel auf der Snare die Gitarren für „Bad News“ voran und Pedro Cardosos Stimme lässt auf Anhieb hören, dass seine früheren Shouter Einsätze für Cover Bands in seiner brasilianischen Heimat Rio wohl auch oft mit Guns’n Roses-Material zu tun hatten. „Come on“ hat grandiose Riffs und einen Chorus, bei dem absolut alle mitgrölen müssen. Die zweistimmigen Gitarren bei „Devil’s Eyes“ erinnern an Wishbone Ash und „Waste The World“ bringt energisch auf den Punkt, wofür The GÄS steht: Riffs, geradeaus treibender Rhythmus und dazu noch eine unerwartete Bridge, die Flügel ausbreitet und fast traumhaft davonschwebt, um dann mit Volldampf ins Band-Shouting platzen. Wer noch weitere Anspiel-Tipps braucht – einfach mal in „Gun For Hire“ oder „Jump In The Fire“ reinhören. Die vier Kölner und ihr Drummer aus dem Revier überzeugen mit dieser Scheibe absolut! (Hey!blau Records) P.Ro

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