altemaelze

Rock Candy

Orianthi

Zwar top produziert, schippern die neuen Songs im eher Pop- als Rock-Fahrwasser.

Knapp zwei Jahre nach der letzten CD „O“ (2021 gab es noch ein Live-Album), gibt es mit „Rock Candy“ den Nachschlag der australisch/griechischen Gitarristin und Sängerin Orianthi. Die neun Songs („Illuminate“ Pt. 1 und 2 fungieren nur als instrumentales Intro bzw. Outro, wobei Pt. 2 ob seiner Gitarrenarbeit an Vai/Satriani erinnert und sogar eine elektrische Geige zu hören ist) schippern im eher Pop- als Rock-Fahrwasser. Top produziert ist das herausragende Merkmal natürlich die vorzügliche Gitarrenarbeit (Michael Jackson, Prince usw.  griffen bekanntlich gern auf ihre Dienste zurück) von ihr, die aber nie zu technisch ausfällt. Gesanglich geht es hier in Richtung Avril Lavigne, Taylor Momsen, Pink oder auch Demi Lovato, was dann auch die Musik recht gut umschreibt, auch wenn sie deren Klasse nicht ganz erreicht und zudem einige Songs mit gräßlichem Hall verschandelt werden, der überhaupt nicht nötig wäre (die Single „Light me up“ oder „Burning“ fallen mir da spontan ein). Dafür reißen es dann die sehr geschmeidigen Refrains, die richtig gut ins Ohr gehen, teilweise wieder raus. Ohne die knackige Gitarre wäre diese CD eher nichts für die Hard Rock/Metal Magazine dieser Welt.  Zwei feine Balladen umschmeicheln das Ohr mit „Where did your Heart go“ und dem rein akustischen (mit Akustikgitarrensolo veredelte) „Living is like Dying without you“ (Co written by Richie Sambora), wobei Orianthi hier mal so richtig zeigen kann wie gut ihre natürlich klingende Stimme wirklich ist. Ausgefallen wird es mit „Void“, welches im Fahrwasser der White Stripes gepaart mit Larkin Poe schippert, und mir auf dem Album dann am wenigsten gefällt, da man es hier mit diesem Stimmverzerrer dann extrem übertrieben hat. Dafür entschädigen dann das leider nur knapp zweiminütige an The Pretty Reckless erinnernde rockige „Witches & The Devil“ und der härteste Song auf der Scheibe „Getting to me“. In Summe gibt es dann von mir starke 5,5 Sterne, zum einen wegen der erwähnten Mängel und zum anderen, da die Scheibe gerade mal 27 Minuten lang ist (30 wenn man Intro/Outro dazuzählt). Das ist dann für eine Vollpreisveröffentlichung zu wenig. Die Japan CD bietet auch keinen wirklichen Mehrwert mit seiner Piano Version von „Where did your heart go“ als Bonus. Dennoch eine Kaufempfehlung meinerseits. (Frontier Records) HJH

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