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Sigi Zimmerschied – „Maskenball“

Der ganz und gar nicht altersmilde Clown am 21. Oktober im Leeren Beutel

Kabarettist Zimmerschied macht den Unterschied: Er verschont keinen. Schon gar nicht die, die sich für die Guten halten.

Eine Nacherzählung dessen, was Sigi Zimmerschied da am Freitagabend im Leeren Beutel aufführt, wäre schlechterdings sinnlos. Weil sein Programm „Maskenball“ eben nicht nur ein „Was?“ ist, sondern vor allem ein „Wie?“. Und nur in Kombination beider Spielarten ein Schuh draus wird.

Mit anderen Worten: Selbst, wenn man jetzt zentrale Inhalte aufzählen würde und sie, wie Fliegenpilze, hauchdünn schneidet und zum Dörren auffädelt. Um so die toxischen Diskurse herbeizuzitieren, die er da über Corona, Geschlechter und Veganismus führt – man erntete allenfalls einen Hauch von Nichts. Und angesichts der Fülle dessen, was er da 90 Minuten lang heraufbefördert, aus der Tiefe seiner schwarzen Seele, kaum mehr als einen müden Abklatsch dessen, was da vom gut gefüllten Saal durchaus frenetisch beklatscht wird.

Weil es bei Sigi Zimmerschied, neben Gerhard Polt wohl der einzige bayerische Kabarettist, der zu Lebzeiten schon einen Stammplatz hat, im weißblauen Herrgottswinkel, eben ganz wesentlich drauf ankommt, wer spricht. Ob er in seinem Einmann-Volkstheater gerade den Alois, den Hias oder einen Schauspielagenten auftreten lässt. Oder ob er sich selbst, höchstpersönlich also, einmischt.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Nicht alles, was da auf der Bühne gesagt wird, ist zitierfähig. Weil die Typen, die er sich für sein Kabarett aussucht und wählt, oftmals Mitglieder sind, im Verein für Derbheiten. Und nicht zu denjenigen gehören, die sich sensibel zurückhalten oder Beißhemmungen zeigen. Bei Zimmerschied geht‘s immer um alles. Angesichts grassierender Hoffnungslosigkeit lässt er als Alois lieber einen fahren. Und pfeift so auf Konventionen eines Diskurses auf Augenhöhe.

Eine andere Figur, die er aus seinem Arsenal hervorholt und auf die Bühne stellt, das ist Gott. Ihm, dem großen Regisseur und Casting Director, ihm dürfen wir über die Schulter schauen, wenn er neue Wesen schafft. Hohe Geistliche etwa, oder Virusvarianten. Und dass Sigi Zimmerschied zugleich ein Philosoph der real existierenden menschlichen Machtlosigkeit ist, wird deutlich, wenn er Gott eine Vorliebe für „Kugelfisch und Covid“ zuschreibt. Für teuflische Varianten des Lebendigen also, die die Macht haben, alles zu zerstören.

Als Sigi Zimmerschied erstmals auftauchte, in Passau, vor knapp fünf Jahrzehnten, da zog er nicht nur fanatische Befürworter an. Bis heute hat er sich, mit radikaler Sprache die Freude an der Provokation derjenigen, die sich für „die Guten“ halten, erhalten. Und wenn er einer seiner Figuren in den Mund legt, sie werde auch weiterhin „Zipfe sagen und Schweinsbraten essen und Winnetoufilme schauen“, dann klingt an, wie viel Lava brodelt, in diesem aktiven Vulkan.

Von der autoritären Dreifaltigkeit aus damaliger PNP, der Strauß-CSU und dem Dom zum schwarzen Schaf geformt, nahm er für lange Zeit die Strafe des Totgeschwiegen-Werdens durchs Bayerische Fernsehen in Kauf. Dieser Bann gilt schon lange nicht mehr: Als Kommissar Kreuzeder oder Dienststellenleiter Moratscheck ermittelt er in TV-Krimis vor großem Publikum. Auf der Bühne aber mimt er nach wie vor den wilden Clown – Zimmerschied markiert den Unterschied! (Peter Geiger)