altemaelze

Vibesbilder in Schwarzweis

Steffi Bauer

Tolles Mundart-Album der Regensburger Sängerin.

„Vibesbilder in Schwarzweiss“ nennt sich das Debüt der Sängerin Steffi Bauer, bei uns bestens bekannt als Sängerin der Cover-Combo Kulticz, die Geschichten aus dem Alltag in bayerischer Mundart darbietet. Mit leicht rauchiger Stimme versehen gibt es hier schöne Singer/Songwriter-Stücke, die auf Austro- bzw. Bayern-Pop treffen. Die Produktion ist sehr gut geworden und auch die Musiker aus der regionalen Regensburger Szene verstehen ihr Handwerk. Rockfans gehen hier leer aus, alle anderen, die musikalisch eher an einer Mischung aus Claudia Koreck, Haindling, Hubert von Goisern, Die Seer (Albumcloser „Zeit zu gehen“), Ina Regen, Poxrucker Sisters oder auch Die Mayerin Gefallen finden, werden hier eher angesprochen. Die Balladen sind wirklich sehr feinfühlig ausgefallen. Ich mag es ja immer gerne, wenn im Hintergrund wie bei Track #5 „Frei sei“ mit Streichern gearbeitet wird. Sehr herzig ist auch die Idee Kinderweisheiten, dargebracht von einer Gruppe an Kindern verschiedenen Alters, bei „Zwergenaufstand“ (wo mir Haindling in den Sinn kam) einzubauen. Ich musst grinsen und erinnerte mich an meine Kindheit und die Kinderlogik. Direkt aus dem Leben kommt das „Wertstoffhof Gehirn“, ist es doch tatsächlich so, dass man sich oft fragt, nach welchem System man seinen Abfall am Besten und Korrektesten sortiert, damit es dort keine Probleme gibt. Auch die Ballade „Dein Weg“ lässt sich ins ‚hier und jetzt‘ übertragen, sollte man sich doch nicht von seinem Weg abbringen lassen, egal wie beschwerlich er ist. „Einfach le’m“ ist dann eher eine fluffige, luftige Pop-Nummer, die auf English gesungen, so auch von Crowded House stammen könnte (man höre „Don’t dream it’s over“ als Vergleich), „Herzklopfen“ wurde sicher von Billy Joel beeinflusst und „G’mahde Wiesn“ ist The Police in Reinkultur mit seinem Reggae Rhythmus. Komplett aus dem musikalischen Rahmen fällt „Fingernägel“ mit seinen Soul/Swing-Anleihen. Und auch hier musste ich lachen, kann man sich doch irgendwie nicht vorstellen, dass man sich die im Baumarkt kauft, weil es dort ja auch Nägel gibt :-D. In Summe ein recht gutes Debüt, dass mir fünf Sterne wert ist. Die „richtige“ Zielgruppe addiert vielleicht noch was dazu. Allen Interessierten empfehle ich dann mal ihren YouTube-Channel, wo es Video zu vier Songs aus dem Album gibt. Hier kann man sich schon mal einen guten Eindruck verschaffen ob die Musik dann schlussendlich was für einen ist. (Donnerwetter Musik) HJH

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