altemaelze

Player, Piano

Daniel Lanois

Wieder mal eine Insider-Kritik: diesmal von Bernd Schweinar, dem bayerischen Rock-Intendanten.

Wer den kanadischen Soundmaler Daniel Lanois nur wegen seiner kantigen und schroffen Gitarrenriffs kennt und liebt, wird sich mit dem Album „Player, Piano“ mit Mühen anfreunden können. Nicht langweilig, aber irgendwie tröpfelt vieles unaufgeregt vor sich dahin. Interessant ist das Album trotzdem! Dass Lanois kein filigraner Tastenzauberer ist, wird schnell klar. Aber ihm ging es nie um Schnelligkeit und Perfektion auf irgendeinem Instrument. Seine Stärke liegt darin, Sounds und Harmonien aus einem Instrument herauszuholen, welche diejenigen nie hören, die das gleiche Instrument von handwerklicher Seite her gelernt haben. Man kennt Daniel Lanois als Produzent von „U2“, wo er insbesondere den Alben „Unforgetable Fire“ und „Joshua Tree“ einen melodisch-rauhen Touch verlieh. Ganz besonders dann Mitte der neunziger Jahre das „Wrecking Ball“-Album von Emmylou Harris. Auch Bob Dylans „Oh Mercy“ zeigte fulminant Lanois‘ Handschrift. Klangmalerisch war er insbesondere mit Brian Eno mehrfach aktiv. Und eher in diese Eno-Gefilde passt auch „Player, Piano“.

„Clinch“, mit sphärischer Orgel, Snare und Highhat, die das Tempo vorgeben, hat diese Dimension. Auch „Twilight“ pulsiert – zwischen Konzertsaal und Weltall. Lanois multipliziert hier Akkorde mit üppigem Delay. Das Album reist aber auch ohne Grenzen durch die Welt. “Lighthouse” groovt angelehnt an karibische Dub-Sounds und sphärisch von Orgelklängen umrahmt vor sich hin. „Puebla“ beginnt voluminös, wuchtig und melancholisch, versinkt aber dann in einem Meer aus Moll-Akkorden und findet schwer zurück. Mexiko scheint weit! Spannend wird das Album, wenn Lanois sich auf die klaren Klaviersounds reduziert. Mehr noch! Er benutzte Geschirrtücher, um die Saiten zu dämpfen, und befestigte kleine Filzstücke auf den Hammerköpfen, um dem Anschlag die Härte zu nehmen. „Cascade“ ist die minimalisierte Tastenwelt eines Einsamen, eines Einzelgängers und damit dann vielleicht doch wieder die interessanteste Komposition des Albums. „Inverness“ überzeugt mit melodischen Harmonien, die um verzerrte Begleitstimmen angereichert werden. „Parade“ wummert eher sub-akustisch vor sich hin; zusammengehalten von einer dezenten Basslinie. Hat etwas! „Eau“ hat etwas Historisches; eine Anmut wie in einem Go-West-Epos. Lanois schreibt das Stück auch selbst dem Klang von Emmylou Harris‘ Stimme zu. Bei „Sunday Asylum“ quietscht buchstäblich irgendetwas im Hintergrund, soll in den hohen Frequenzen möglicherweise an Vögel erinnern, in den Mittellagen blubbert es eher wie ein alter Moog, der dann in einer finalen Melodiefolge anschwillt zum finalen Zenit. (Modern) Bernd Schweinar

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