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„39 Stufen“, die zum Komödienhimmel führen

Britischer Humor auf der DEZ-Bühne – Premiere am 14. Oktober

Ganz großes Kopfkino: Das Turmtheater startet mit der Krimikomödie „39 Stufen“ temporeich in die Saison. Hitchcocks Klassiker gespielt von vier Schauspielern in 139 Rollen.

Undine Schneider, scheidende Turmtheater-Chefin, ist nach diesem Wochenende noch ganz im Premierenfieber: Denn sie erlebt die Begeisterung des Publikums über die von ihrem Nachfolger Markus Bartl so grandios inszenierten „39 Stufen“ unmittelbar von der Bühne aus. „Klar: Die Energie aus dem Publikum, die wirkt ansteckend, aufs Ensemble!“, schwärmt sie. Und berichtet, wie viel Contenance und mimische Kontrolle es ihr abverlangt, wenn sie mit einem Messer im Rücken totenstarr da liegen muss, die Zunge herausgebleckt, in Richtung Zuschauer. Denen, von diesem grotesken Anblick zur Willenlosigkeit verurteilt, nichts anderes übrig bleibt, als unkontrollierte Lachsalven abzufeuern, hinauf auf die Bühne. „Genau diese Zwiesprache aber macht für mich Theater aus!“ ergänzt die Schauspielerin, die in der Bühnenbearbeitung des Hitchock-Klassikers von 1935 nach dem Tod der Agentin Annabelle noch in weiteren weiblichen Rollen glänzt: „Wenn die Behauptungen, die wir auf der Bühne formulieren, unten so überzeugend ankommen!“ Die Qualität beziehen diese „39 Stufen“ nicht nur aus der teils hanebüchenen, teils kafkaesken Story – weiterer Pluspunkt dieser stark auf filmische Elemente wie rasante Schnitte oder Orts- und Kulissenwechsel setzende Inszenierung ist das hohe Tempo, das darin mündet, dass sich das für die Zuschauer sichtbar werdende summarische Ergebnis erheblich unterscheidet, von der Zahl der zum Einsatz gelangenden einzelnen Elemente. Mit anderen Worten: Selten hat das Turmtheater (das seinerseits in den letzten Jahren auch nicht gerade auffällig geworden wäre, durch eine etwaige Tendenz zur Langeweile) 120 so intensive und durchvitalisierte Bühnenminuten geboten.

Das wiederum liegt an den grandiosen Darstellern: Das Spiel ist um János Kapitány herum gruppiert. Der glänzt in der Rolle des quer über die britische Insel fliehenden Richard Hannay. Als Gast einer Mentalistenshow war er in Kontakt gekommen, mit der oben schon genannten Annabelle, die ihm von den 39 Stufen, einem Örtchen mit unaussprechlichem Namen in Schottland und einem fingeramputiertem Anführer erzählt. Kurze Zeit später ist sie – auf die er obendrein sein erotisches Kopfkino projiziert hatte – tot. Und Richard mit Mordvorwürfen konfrontiert.
Als höchst souveräne und wandlungsfähige Komödianten (insgesamt werden 139 Rollen bekleidet!) erweisen sich im nun entwickelnden Spiel, das aus Verfolgungsjagden und Fensterrahmendurchbrüchen besteht und orchestriert wird, von schallgedämpften Pistolenschüssen: Georg Lorenz und Christopher von Lerchenfeld! Wie es Ersterer versteht, sich in einen rotzdoofen Bauern hineinzugrimassieren, ist schlicht sensationell. Zweiterer steht ihm in nichts nach, wenn er als Goldsakko tragender Bösewicht diktatorisches Rhetorikbesteck vor aller Augen zur Jahrmarktbudenhaftigkeit zerfräst.

Last but not least: Tastenmann Martin Kubetz bedient seine digitale Sounddose ebenso meisterhaft wie seinen kleinen akustischen Percussionspark. Und sorgt am Ende auch noch dafür, dass er – als eigentlich fünftes Rad am Thespiswagen – entscheidend eingreift, in die Dramaturgie dieses, haben wir‘s eigentlich schon gesagt? – klassikerverdächtigen Abends. Was für ein Happy-End zum Saisonauftakt! (Peter Geiger)

Weitere Vorstellungen am 20., 21. und 22. Oktober sowie am 24. und 25. November.

Fotokredit: Turmtheater