altemaelze

Sacred

Colour Haze

Colour Haze verstehen es meisterhaft, mit ihrer Musik Bilder zu malen. Klanglandschaften zu erschaffen – diesmal auch relativ hart!

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind Colour Haze unter der Leitung von Stefan Koglek schon in den verschiedensten Regionen des musikalischen Raums unterwegs und sind noch immer bereit für ein neues Abenteuer in den Weiten des Stoner Rock. Mit „Sacred“ legt die Combo drei Jahre nach „We are“ das bereits 14. Studioalbum vor, übrigens das erste mit dem neuen Bassisten Mario Oberpucher, der hier seinen Album-Einstand gibt. Colour Haze verstehen es meisterhaft, mit ihrer Musik Bilder zu malen. Klanglandschaften zu erschaffen. Begründet in der jahrelangen Erfahrung als Musiker bauen CH ihre sieben neuen Stücke auf „Sacred“ noch komplexer und mit besonders feiner musikalischer Finesse auf und ab, auseinander und wieder zusammen. Und wie in der Natur, so ist auch in ihrer Klangwelt ein stetes auf und ab angesagt. Da schweben ganz sanftmütige, leise Melodien durch den Raum, werden intensiver. Entspannte und doch bestimmte Rhythmen setzen ein, es entsteht ein packender Groove, der Dich sogleich hypnotisiert. Die Gitarre, eben noch verträumt und zärtlich gekost, wird zorniger, lauter, intensiver. Die Stücke entladen ihre elektrohaschige Spannung in brodelnden, wuchtig brummenden Hardrockeruptionen, nur um dann wieder in sich selbst zusammenzufallen. Doch dieses neue Album ist der härteste CH-Longplayer seit über 20 Jahren. Zwar eröffnet „Turquoise“ in typischer Manier mit sanfteren Gitarrenklängen, die von einer Hammond-Orgel untermalt werden, und einigen analogen Synthesizernoten, die sich wie Feenstaub über die immer lauter werdende Gitarre legen. Aber dann startet „Goldmine“ mit einem düsteren, schmutzigen Riff, das rauer ist als alles, was seit Jahren von der Band zu hören war, und es lässt für den größten Teil der Songdauer nicht nach. Oder „Ideologigi“, mit knapp neun Minuten der längste Track und relativ kurz im Vergleich zu früheren ausufernden Jams, die sich der 20-Minuten-Marke näherten. Hier wird ein perfektes Gleichgewicht zwischen Kogleks himmlischem Glockenspiel und stampfenden Riffs erreicht, wobei sein Gesang mehr Leidenschaft und Wut ausstrahlt, als man es in früheren Jahren hören konnte. Auch „Avatar“ ist ein cooler Song mit einem Stakkato-Rhythmus,  während „1.5 Degrees“ mit akustischen Picking startet und endet wieder mit den wahrscheinlich schmutzigsten, fiesesten Gitarrentönen, mit denen die Band seit den 90ern herumgespielt hat. Und auch die letzten beiden Stücke sind eindeutig härter als frühere Sachen. Also insgesamt ein echtes Stoner-Highlight. (Elektrohasch) P.Ro.

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal