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Sunrise On Slaughter Beach

Clutch

Neil Fallon, Tim Sult, Dan Maines und Jean-Paul Gaster haben die Kunst perfektioniert, nur das Nötigste zu spielen, aber trotzdem pickepacke voll zu klingen.​

Die Klassenkameraden Neil Fallon (Gesang), Tim Sult (Gitarre), Dan Maines (Bass) und Jean-Paul Gaster (Schlagzeug) verbindet seit nunmehr über drei Jahrzehnten eine unerschütterliche musikalische und persönliche Verbindung. Entstanden ist die Band Anfang der 1990er Jahre in Germantown, Maryland an der Seneca Valley High School. Geprägt von der gleichen musikalischen Herkunft wie Bad Brains, Minor Threat und Rites Of Spring, kreieren Clutch äußerst literarische und freigeistige Musik, die von der Wut des Hardcore und dem fuzzigen, dynamischen Stoner Rock geprägt ist. Jetzt kündigen diese Schulkameraden „Sunrise On Slaughter Beach“ an, das 13. Studioalbum der Band – eine gelungene Zusammenfassung all dessen, was diese Band ausmacht, und ein weiterer großer Schritt in Richtung einer lang anhaltenden Karriere, die 1993 mit dem Release des ersten Longplayers „Transnational Speedway League: Anthems, Anecdotes and Undeniable Truths“ begann.

Die neue Platte ist mit neun Songs und einer guten halben Stunde Spielzeit eher kurz ausgefallen. Dabei hatten Clutch seit der Veröffentlichung von „Book Of Bad Decisions“ vier Jahre Zeit, um genug neues Material zu schreiben. Laut Sänger Neil Fallon eine bewusste Entscheidung: „Es ist ein kurzes Album. Wir haben mehr Songs aufgenommen, aber wir wollten eine Platte machen, die genau auf den Punkt kommt und auf der jeder Song eine andere Geschmacksrichtung hat.“ Und die neuen Gassenhauer wie „Red Alert (Boss Metal Zone)“, „Nosferatu Madre“, „Skeletons on Mars“, „Jackhammer Our Names“ und „Mercy Brown“ nehmen wie selbstverständlich ihren angestammten Platz neben Clutch-Klassikern ein. Jean-Paul Gaster dachte ursprünglich, dass das 13. Album eine Reaktion auf die Polarisierung und Unsicherheit der Pandemiejahre sein würde. Vielleicht etwas Beschwingteres, in der Art von Earth Rocker von 2013. „Je mehr die Songs Gestalt annahmen, desto weniger sah ich diese Art von Album. Etwas anderes nahm Gestalt an. Die Platte, die am Ende dabei herauskam, ist in gewisser Weise die unterschiedlichste Platte, die wir seit langem gemacht haben.“ Aufgenommen im The Magpie Cage Recording Studio in Baltimore wurde das Album von dem für einen Grammy nominierten Tom Dalgety (Ghost, Royal Blood, Pixies) produziert und abgemischt, mit zusätzlicher Technik von J Robbins (Jawbreaker, Against Me!, The Sword). Und „Sunrise On Slaughter Beach“ führt einige „Premieren“ in den Katalog von Clutch ein: zwei neue Instrumente – Vibraphon (gespielt von Gaster) und das Theremin (von J. Robbins eingesetzt) und dazu weiblicher Background-Gesang von den Sängerinnen Deborah Bond und Frenchie Davis. Indirekte Pandemie-Auswirkungen, so Fallon: „Dieses Album aufzunehmen war etwas seltsam für uns, weil wir neue Songs normalerweise live ausprobieren und weiterentwickeln. Das war dieses Mal aus offensichtlichen Gründen nicht möglich. Das hat im Studio zu mehr Flexibilität geführt und wir haben Dinge ausprobiert, die wir unter normalen Umständen vielleicht nicht versucht hätten.“ Die neun Songs des Albums sind eine abwechslungsreiche Reise, die sowohl langjährige Fans als auch Neueinsteiger begeistern wird. Es ist ein neues Kapitel in einer sich ständig weiterentwickelnden Geschichte, die den Fans ebenso viel bedeutet wie der Band selbst. „Sunrise On Slaughter Beach“ ist der vorläufige Höhepunkt dessen, was Clutch als Teenager in den frühen 90ern begannen. Insgesamt klingen die neun neuen Songs zu 100 Prozent nach Clutch. Nach so langer Zeit hat die Band eben ihre ganz eigene Mischung aus Blues-, Desert- und Stoner-Rock gefunden. Immer trocken, groovy und mit Seele. Und Clutch kommen im Herbst auch wieder auf Tour nach Deutschland, um die neuen Songs vorzustellen. Leider nur für eine Show in Bayern – am 23. November stehen sie in München in der Neuen Theaterfabrik auf der Bühne. (Weathermaker Music/RTD) P.Ro

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