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Rimini

Regie: Ulrich Seidl

Ein unbequemer, aber zutiefst berührender Film über letzte Chancen und über die Schwierigkeit, ein Mensch zu sein.

Meisterregisseur Ulrich Seidl blickt in seinem neuen Film hinter die süßen Sehnsuchtsversprechen der Schlagermusik – und entdeckt eine Lebensrealität, die in ihrer gnadenlosen Wahrhaftigkeit so schmerzhaft wie zutiefst berührend ist. Michael Thomas ist überragend als abgehalferter Schlagerstar Richie Bravo; eine Rolle, die ihm von Seidl auf den Leib geschrieben wurde – und der kurz nach den Dreharbeiten verstorbene Hans-Michael Rehberg brilliert in seiner letzten, herzzereißenden Rolle. In RIMINI spürt Ulrich Seidl jener nebelverhangenen Lebensrealität nach, die sich jenseits der süßen Sehnsuchtsversprechen von Schlagermusik auftut. Ein unbequemer, aber zutiefst berührender Film über letzte Chancen und über die Schwierigkeit, ein Mensch zu sein. Zum Inhalt: Rimini im Winter. Während Schneestürme die Palmenblätter zum Tanzen bringen, spült das Leben verlorene Seelen an die leeren Hotelbars des sonst so paradiesischen Adria-Klassikers. Hier stapft Richie Bravo (Michael Thomas) unbeirrbar durch den Regen. Ob als Sänger oder Gigolo — mit reichlich „Amore Mio“ wärmt der einst gefeierte Schlagerstar in den Wintermonaten die Herzen und Betten schmachtender Bustouristinnen und entzückten Damen reiferen Alters. Die fetten Jahre liegen hinter ihm. Seinen ausschweifenden Lebensstil finanziert er sich mit Auftritten in glitzernden Showkostümen und mit Liebesdiensten, die ihm dank eines üppigen Fundus’ an immergünen Liebesschwüren routiniert von der Zunge gehen. Die eingeübt tragische Idylle bekommt Risse als plötzlich seine erwachsene Tochter (Tessa Göttlicher) vor ihm steht. Die möchte weder Autogramm noch Umarmung, sondern die jahrzehntelang versäumten Unterhaltszahlungen, und zwar alles auf einen Schlag. Richie verspricht ihr, das Geld aufzutreiben. Für den rücksichtslosen Überlebenskünstler tut sich ein Abgrund auf — aber auch die leise Hoffnung, vielleicht doch noch auf seine alten Tage so etwas wie Versöhnung und menschliche Anerkennung zu finden.

Der neue Film von Ausnahmeregisseur Ulrich Seid feierte seine vielbeachtete Premiere im offiziellen Wettbewerb der 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin. RIMINI wurde im Rahmen der Diagonale 2022 mit dem Hauptpreis als Bester Spielfilm ausgezeichnet. Der Film startet am 6. Oktober bundesweit im Kino auch in Regensburg (Filmstudio am Ostentor)

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Das wortkarge, stimmungsvolle Drama bietet großes Kino, wird von den Leistungen der hervorragenden Schauspieler getragen, die ihre Charaktere authentisch wirken lassen, mit ihren individuellen Eigenarten und ihrer Menschlichkeit.