altemaelze

Of Kingdom and Crown

Machine Head

Nicht weniger als sieben Sterne für ein Album an dem es nichts zu meckern gibt!

Nach über 30 Jahren des Bestehens veröffentlichen die Thrash Metal Urgesteine Machine Head mit „Of Kingdom and Crown“ tatsächlich erst ihr zehntes Album. Mich hat die Band ja eigentlich nie wirklich interessiert, obwohl das Genre eines meiner Steckenpferde ist, und somit kenne ich relativ wenig („Davidian“ natürlich schon dank MTV damals) von ihrem Output. Somit waren meine Erwartungen hier niedrig. Was beim Anhören dann zuerst auffällt ist die grandiose Produktion der Scheibe (Robb Flynn selbst), die fett aus den Boxen kommt und einen richtig in den Sessel, Autositz oder wo auch immer man dieses Album hört, drückt, sowie der Mix und das Mastering, die in den bewährten Händen von Colin Richardson bzw. Ted Jensen lagen. Musikalisch deckt die CD mit ihren zehn Songs (plus drei kurze instrumentale Zwischenstücke) das komplette Spektrum ab – von eher ruhigen, groovigen Nummern über Thrash Metal und Hardcore (plus sogar leichten Metalcore) bis hin zu einer richtig epischen Nummer. Die Band selbst spielt wie aus einem Guss (der Session Drummer Navene Koperweiss half hier nur aus und macht seine Sache mit Double Bass und feinen Fills extrem gut),  die Gitarrensoli sind famos (von der feinen Klinge bis zu den typischen quietsch quietsch Passagen ist alles an Bord) und der Bass quengelt gerne mal im Vordergrund mit. Was mir hier besondere Freude bereitet ist der enorme Anteil an richtig gutem Klargesang (nicht die Björn Strid Liga, aber Robb Flynn und Bassist Jared MacEachern haben hier viel gelernt in der Vergangenheit), den es in der Häufigkeit früher meines Wissens nach nicht gab. Und der ist dann nicht nur Mittel zum Zweck, sondern richtig gut eingebunden im Wechsel mit dem für Robb Flynn so typischen Thrash Metal-Röhren. Beim epischen mit über zehn Minuten langen Einstieg ins Album bei „Slaughter of the Martyr“ kann man das schon mal gleich eindrucksvoll hören. Drei Minuten Klargesang mit rein akustischen Gitarren gehen über in knallharten Thrash Metal, holen sich immer wieder melodische Parts an Bord mit feinen Twin Guitar Soli und enden mit ruhigem Outro. Damit es nicht zu ruhig wird regiert dann für die nächsten beiden Songs der Knüppel mit dem an aktuelle Exodus erinnernden Bass lastigen „Choke on the Ashes of Your Hate“ und der fast schon Deathcore/Black Metal Raserei „Become the Firestorm“ (Aktuelle Whitechapel treffen auf Klargesang). Mit „My Hands are empty“ und vor allem „Unhallowed“ wird dann ein Gang zurückgeschaltet und es wird etwas ruhiger, getragener, melodiöser mit viel Klargesang, akustischen Gitarren, wieder sehr feinen Soli, die eher Richtung Soilwork oder auch In Flames schielen. „Kill the Enemies“ passt dann wieder eher auch auf das aktuelle Exodus Album, wobei dort der Klargesang sicher nicht vorkäme. „No Gods, no Masters“ würde auf dem letzten Parkway Drive Album eine große Nummer darstellen, Winston McCall bekäme den Gesang nur nicht so gut hin. Das rüpelige „Bloodshot“ fräst sich fast schon Hardcore mäßig durch den Gehörgang und geht straight to Head während „Terminus“ an die Anfangszeit der Band erinnert (grooviger Thrash Metal) inklusive diesem bekannten Gitarrenbreakdown in der Mitte. Auch hier dank des immer wieder eingesetzten Klargesangs eine tolle Nummer. Der Rauswerfer aus der Standardversion „Arrows in Words from the Sky“ ist dann mein drittes Highlight. Fast schon balladesk steigert sich der Song in eine düstere Midtemponummer mit wie immer geilen Soli und Klargesang Duetten. Auf der Deluxe Edition gibt es die Nummer übrigens nochmal in einer rein akustischen Version mit Duettgesang und Akustikgitarren und das sehr feine Instrumental  „Exteroception“, das zeigt welch tolle Gitarristen hier am Werk sind. Eine wirklich gelungene Vorstellung und klare Kaufempfehlung meinerseits, für die es nur die Höchstnote geben kann. Nicht weniger als sieben Sterne für ein Album an dem es nichts zu meckern gibt! (Nuclear Blast) HJH

*******

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal