altemaelze

Big Ideas

The Wynntown Marshals

Das Album enthält zehn Songs, die klirrenden, unverblümten, radiotauglichen Power-Pop, schroffe, wurzelige Rocker, stimmungsvolle gitarrenlastige Stücke und melodische Balladen abdecken.

Eine der frischesten und stilistisch glaubwürdigsten No Depression/Alternativ Country Rock Bands stammt nicht aus Austin, Minneapolis, Portland, Raleigh oder Louisville, sondern aus… Edinburgh in Schottland! Und die Wynntown Marshals haben so gar nichts mit deftigem Schotten-Rock zu tun, decken dafür mit ihrer Musik eine Bandbreite von Byrds, Flying Burrito Brothers und Poco bis Son Volt, Jayhawks und Whiskeytown ab, und begeistern dabei mit dem einen oder anderen Verweis auf Neil Young, Wilco oder Tom Petty. Entstanden ist diese Band 2007 als Erbe der Sundowns, einer der damals stärksten Americana-hingewandten Folk Rock-Bands in Schottland. Bereits auf der ersten, Anfang 2008 erschienenen, selbstbetitelten EP prägte Bandleader, Songschreiber, Gitarrist und Leadsänger Keith Benzie mit seiner rauen, etwas heiseren, immer attraktiven Stimme in einem Mix aus Sid Griffin, Jeff Tweedy und Ryan Adams sowie seinen oft melancholischen bis eingängig rockenden Songs das Klangbild. Seitdem haben die fünf Schotten drei Longplayer eingespielt. Für den vierten, „Big Idea“, haben sie sich Zeit gelassen. Über sieben Jahre sind seit dem letzten Studioalbum, „The End Of The Golden Age“, vergangen. In dieser Zeit gab es innerhalb der Band große Veränderungen, von der Besetzung, die dieses Album eingespielt hatte, sind nur noch Frontmann, Sänger und Songschreiber Keith Benzie sowie Gitarrist Iain Sloan dabei, der typische Sound ist dabei aber nicht abhanden gekommen. „Big Ideas“ wird denen, die die Band kennen, daher sofort bekannt vorkommen und dient als ideale Einführung für diejenigen, die mit ihren bisherigen Veröffentlichungen weniger vertraut sind. Das Album enthält zehn Songs, die klirrenden, unverblümten, radiotauglichen Power-Pop, schroffe, wurzelige Rocker, stimmungsvolle gitarrenlastige Stücke und melodische Balladen abdecken – alles untermauert von dem herzlichen, poetischen Wortspiel, für das die Band bekannt ist. Einfach mal in Songs wie den Titeltrack oder „Learn to lose“ reinhören, wo die Gitarren abrocken, bzw. alternativ in ruhigere Stücke wie „The Pocket“ oder „The missing me“. Die Marshals haben, wie der Rest des Planeten, in letzter Zeit einige Herausforderungen durchgemacht – und einige der lyrischen Inhalte sind unweigerlich von den Ereignissen der letzten zwei Jahre geprägt (insbesondere der Titeltrack und „Disappointment“), aber – wie der Protagonist in der Mitte des nostalgischen, bittersüßen Album-Tracks „Tourist In My Hometown“ – ist die Band „ungebrochen aus dem Schmerz herausgekommen“. (Blue Rose) P.Ro

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