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Im Gänseflug über die höchsten Gipfel der Republik

Achim Bogdahn debütierte am Freitagabend, 26. August, in Regensburg in der Buchhandlung Dombrowsky als Buchpräsentator

Vom 1. September ab gibt es auf Bayern 2 (16 Tage lang, jeweils um 16.05 Uhr und um 22.05 Uhr) „Eins zu Eins. Der Talk spezial: Mit Achim Bogdahn auf Deutschlands höchsten Bergen“ zu hören.

Im Herzen, da scheint Achim „Sechzig“ Bogdahn sowieso längst ein Regensburger zu sein. Denn als Ort für die Sneak-Preview seines Buchdebüts „Unter den Wolken“, da suchte sich der Zündfunk-Redakteur, der im Radio bei Bayern 2 auch das „Tagesgespräch“ und „Eins zu Eins“ moderiert, zielsicher die Buchhandlung Dombrowsky am Kassiansplatz aus. Bei seinem letzten Aufenthalt hier quatschte er Ulrich, den Buchhändler, einfach an – und der sagte, ohne dass über Honorar oder Spesen geredet worden wäre – für die Eröffnung seines „Literarischen Herbsts“ kurzerhand zu.

Achim Bogdahns Faible für Regensburg reicht weit zurück: Seit den 1990er Jahren berichtet er von hier immer live in seinen Samstagssendungen. So hat er nicht nur ein tragfähiges Netz an Freunden vor Ort geknüpft (der Oberpfälzer Popmusikbeauftragte Säm Wagner gehört ebenso dazu wie Kinounternehmer Achim Hofbauer, der das Porträtfoto im Buch beigesteuert hat), sondern auch dafür gesorgt, dass die lange doch eher verschnarchte Domstadt an der Donau ein Image aufbauen konnte, als Weltkulturerbe und Metropole der Kurzfilmtage, von Indiebands und pfiffigen Kiosken.

57 ist er mittlerweile – und dass es so lange gedauert hat, mit seinem Debüt als Buchautor, das erzählt er hier vor ausverkauftem Haus in für ihn typischer Weise: Beim Hochfahren – Achim Bogdahn setzte schon lange vor dem Neuneuroticket auf die Bahncard100 – da saß er einem jungen Typen gegenüber, der als Bodenleger in Landshut arbeitet und sich am Wochenende in Regensburg von Mama verköstigen lässt. Der hatte dem Achim auch diese Frage gestellt – und erhielt als Antwort, dass er als Radiojournalist einfach immer ganz ganz viel zu tun gehabt hätte. Außerdem sei er ja dreifacher Familienvater.

Aber dass es jetzt schließlich doch geklappt hat, mit „Unter den Wolken“, seinem bei Heyne Hardcore im Hardcoverprogramm erschienenen Buch – das wiederum hat er seiner Rundfunkarbeit zu verdanken. Und zwar bot er – nachdem er von einem Mann namens „Brocken-Benno“ gelesen hatte – dem Rucksackradio auf Bayern 2 eine Reihe an, dass er mit mehr oder weniger prominenten Begleitern auf den jeweils höchsten Gipfel eines Bundeslands steigen werde. Der wanderschuhfitte Mittachtziger hat die gut elfhundert Meter hoch liegende Spitze von Sachsen-Anhalt nämlich schon über achttausendmal bestiegen. Und Achim Bogdahn begleitete ihn, mit Mikro und Notizblock. Um darüber zunächst fürs Radio und jetzt auch fürs Buch zu berichten.

Berichten? Ach, was für ein gleichermaßen langweiliger wie untauglicher Begriff, angesichts dessen, was diese 16 Reportagen plus Vorwort (und ergänzt um eine „Soundtrack zum Buch“ genannte Playlist mit seinen Lieblingsliedern von der Wanderung), was diese mehr als vierhundert Seiten ausmacht und auszeichnet. Denn Achim Bogdahn vereint die Tugend eines Jean Paul („Meister der Abschweifung“ wurde der Goethezeitgenosse schon von Zeitgenossen genannt) mit denen des New Journalism. Will sagen: Erzählt ganz viel aus seinem eigenen Leben und dem seiner prominenten Begleiter (und auch davon, mit welchen das gemeinsame Wandern nicht geklappt hat) und formt überhaupt ganz viel aus dem Drumrum. Und kommt gerade deshalb zum Punkt, weil nicht der Gipfel, sondern der Weg dorthin sein zentrales Ziel ist.

Ungelogen: Bei Dombrowsky haben manche der Gäste zwischendurch Probleme, die Bodenhaftung zu bewahren. Beispielsweise, wenn Achim – alle in der Buchhandlung nennen ihn jetzt so (auch wenn er in einer von Mehmet Scholl und Waldemar Hartmann bevölkerten Episode durchschimmern lässt, dass er nicht durchwegs ein Freund des Duzens ist) – von seinem Besuch in Sachsen beim Kaktusliebhaber und Diskus-Olympiasieger Lars Riedel erzählt oder mit Manuel Andrack im Saarland (mindestens so groß ist auch dieses Buch!) nach dem Besteigen des Dollbergs (695 Meter) eine der zahlreichen Talsperren dieses Bundeslands umrundet – leider in der verkehrten Richtung. Weshalb aus den geplanten eineinhalb Kilometern bei Sturm und Regenwetter eine Odyssee existenziellen und lebensbedrohlichen Ausmaßes wird.

Am intensivsten freilich: die Zugabe! Auch wenn Achim gar nicht vordrang, zum Kern des Ganzen, zur Besteigung des einhundertsiebenundsechzig Meter hohen Bungsbergs in Schleswig-Holstein in Begleitung von „Dorfpunk“ Rocko Schamoni, so war die Episode über die Pommes und die anschließende Übernachtung im „Tannenhof“ von einer solchen schlagenden Brutalokomik, dass der Autor dieser Zeilen auch tags darauf noch – trotz geübter Lachmuskulatur – an einer Übersäuerung in diesem Bereich laboriert. Ungelogen. Wer’s nachprüfen möchte, besorgt sich für schlappe 22 Euro diesen blauen Ziegel mit dem von offenkundig von Nils Holgersson inspirierten Cover (Achim liebt Skandinavien!) und schlägt nach. Ab Seite 131 geht da nämlich der Punk ab!

Infos:

Achim Bogdahn liest noch dreimal in der Oberpfalz: Und zwar

  • am 27. September in Amberg im Luftmuseum,
  • am 25. Oktober in Lappersdorf im Aurelium und
  • am 27. Januar 2023 in Sulzbach-Rosenberg in der Buchhandlung Volkert

Vom 1. September ab gibt es auf Bayern 2 (16 Tage lang, jeweils um 16.05 Uhr und um 22.05 Uhr) „Eins zu Eins. Der Talk spezial: Mit Achim Bogdahn auf Deutschlands höchsten Bergen“ zu hören. Den Auftakt macht die Besteigung des Brockens in Sachsen-Anhalt mit „Brocken-Benno“. Er hat den 1.141 Meter hohen Berg bereits über 8.000 Mal erklommen. Unterwegs konnte Achim Bogdahn von dem rüstigen Rekordhalter aufgrund seines Tempos meist nur einen olivgrünen Schatten sehen. Als die beiden den Gipfel erreichten, da erwartete sie ein Eissturm.