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Live At The Detroit Jazz Festival

Wayne Shorter, Terri Lyne Carrington, Leo Genovese, Esperanza Spalding

Einmaliges Ereigniss – der Auftritt dieser generationsübergreifenden Jazz-Supergruppe!

Wayne Shorter, den viele für einen der größten noch lebenden Komponisten des Jazz halten und der sowohl mit dem Tenor- als auch dem Sopransaxophon einen unverwechselbaren und innovativen Stil pflegt, hat mit drei Bands Geschichte geschrieben, indem er einfallsreiche Soli und innovative Kompositionen bei diesen Musikinstitutionen beisteuerte: mit Art Blakey’s Jazz Messengers (1959-63), dem Miles Davis Quintet (1964-70) und Weather Report (1971-86), das er gemeinsam mit Joe Zawinul gründete. Und beim Konzert beim Detroit Jazz Festival vor fünf Jahren stand der inzwischen über 80-Jährige mit einer – man könnte schreiben – „Multigenerationen-Jazz-Supergruppe“ auf der Bühne. Neben Shorter standen noch Terri Lyne Carrington (Schlagzeug), Leo Genovese (Klavier & Keyboards) sowie Esperanza Spalding (Bass und Gesang) auf der Bühne. Am 3. September 2017 wurden die Besucher Zeuge eines einmaligen Ereignisses – den Auftritt dieser generationsübergreifenden Jazz-Supergruppe.  Die Musiker hatten selbst höchstens eine Vorstellung davon, wie sich die Musik an diesem Abend entwickeln könnte. Als Beweis für das Vertrauen und den Respekt zwischen diesen großen Künstlern ließen sie den Rest für die Spontaneität vor Ort offen.  Terri Lyne Carrington erinnert sich: „Wir hatten an diesem Tag schon einige Themen geprobt, aber die Vorbereitung beruhte wirklich auf unseren tiefgreifenden Erfahrungen miteinander.“ Mit anderen Worten: Vier Leben voller Musik haben diese Aufführungen möglich gemacht. Die künstlichen Grenzen zwischen Komposition und Improvisation, Ensemble und Soli wurden aufgehoben. Das Quartett agierte als eigenständige Einheit und schuf Musik, die nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker selbst begeisterte und fesselte. Ob es sich nun um die Shorter/Spalding-Komposition „Endangered Species“ (die mehrere Stimmungen erkundet und voller Freiform-Erkundungen ist), Milton Nasimentos Ballade „Encontros e Despedidas“, Geri Allens „Drummers Song“ oder Shorters eindringliches „Midnight In Carlotta’s Hair“ handelt, die Interpretationen des Quartetts sind durchweg unvorhersehbar und einprägsam. Aber man könnte mit diesen Beschreibungen auch die gesamte Karriere des großen Wayne Shorter zusammenfassen. Shorter hat im Laufe der Jahre immer wieder mit anderen Sängern zusammengearbeitet, vor allem mit Milton Nascimento (auf Native Dancer von 1974), Joni Mitchell und Lionel Loueke.  Aber sein Zusammenspiel mit der Stimme von Esperanza Spalding bei einigen dieser Stücke ist auf einem ganz anderen Niveau. Spaldings leidenschaftliche lange Töne, vor allem bei „Someplace Called ‚Where'“ des Saxofonisten, erinnern an Shorters Stil, und ihr Gesang bei einigen anderen Stücken verleiht der Gruppe den Klang eines Quintetts mit zwei Hörnern.

In den letzten Jahren hat sich Shorter von Live-Auftritten „zurückgezogen“, aber er war keineswegs inaktiv. Er arbeitete mit Spalding (der das Libretto schrieb) an seiner Oper Iphigenia, die nach Aufführungen in den USA in den Jahren 2021-22 beeindruckende Kritiken erhielt. Dieses Konzert in Detroit fasste er auf seine eigene Weise zusammen: „Mit der Mischung von Menschen – männlich und weiblich, verschiedener Ethnien und Hintergründe – haben wir manchmal Dinge gemacht, die größer klingen als wir vier, mit einem eher orchestralen Ansatz… Wenn es Dinge in der Aufnahme gibt, die von den Menschen in dem Maße gehört werden können, dass sie einige Gedanken über das Leben und die Kultur umdrehen können… können die Menschen, die es hören, erkennen, dass wir alle anders sind – und gleich.“

Diese Aufführung ist dem Gedenken an die Pianistin und Komponistin Geri Allen gewidmet, die ursprünglich Teil der Gruppe sein sollte und einen Teil des Materials komponiert hatte, aber im Juni des Vorjahres verstarb.  Dieses Konzert wird am 3. September auf CD und Doppel-Vinyl erscheinen mit fünf Tracks, die Vinyl-Ausgabe enthält als exklusiven Bonustrack noch „The Stuff That Dreams Are Made Of (A Conversation)“ (Candid)

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