altemaelze

Déjà Vu

TRIO SR9

So geht kreatives Covern, so geht Innovation. Was für eine Perle zeitgenössischer Musik!

Percussiv megafitte Franzosen mischen gewaltig auf. Selten genug, dass die Percussion – „das Getrommel“ wie es der Bayer nennen würde – bei Songs im Vordergrund steht. Aber keine Angst, dieses Trio konnte noch dazu hervorragende Sänger/Sängerinnen verpflichten, es handelt sich nicht um eine rein instrumentale Percussion-Scheibe. Das Soundspektrum erweitern hilfreiche und überaus kompetente Mitmusiker, z.B. Blick Bassy (innovativer Pop-Artist aus Kamerun, mit eindrucksvoller Falsett-Stimme) oder Camille (französische Chanson-Sängerin). Paul Changarnier, Nicolas Cousin und Alexandre Esperet bieten ein überaus interessantes Beispiel für kreatives Spiel mit Rhythmen, sie springen von der Triangel zum Eselskiefer, von den Becken zum chinesischen Gong, vom Vibraphon zur Blasmaschine. Sie haben sich auf das Marimbaphon spezialisiert – ein lateinamerikanisches Xylophon, das mit dem afrikanischen Balafon verwandt ist – und beschlossen, es als Hauptinstrument für ihre künstlerischen Träume zu nutzen. Mit dem Label No Format begannen sie ein Projekt, bei dem sie sich Pop-Hits annahmen, wie sie in Megastudios auf der anderen Seite des Atlantiks produziert werden und mit tausend Lichtern und Spezialeffekten glänzen. Sie wollten Pop ohne Maschinen, Gitarren, Bass oder Synthesizer machen. Sie fanden eine bis dahin unbekannte instrumentale Formel, die nur ihnen gehört und die perfekt zu den Stimmen der bekannten französischen Künstler passt, die die Lieder interpretieren sollten. Camille, mit ihrer außergewöhnlichen Energie, lässt Rihannas „Don‘t Stop the Music“ in einem neuen organischen Modus walzen; Blick Bassy dekoriert Ariana Grandes „One Last Time“ in den Farben des Bassa neu; Malik Djoudi umhüllt Frank Oceans „Super Rich Kids“ mit einer subtilen ätherischen Textur; Camélia Jordana drückte dieser Bonanza der Neuerfindung ihren Stempel auf, indem sie das Tempo von „Dance Monkey“ verlangsamte; die Stimme von Sandra Nkaké verlieh „Video Games“ von Lana del Rey ein feierliches und erhabenes Geheimnis. Hier findet man sowohl vers(p)onnene, wunderbar intonierte Balladen als auch tanzbare Stücke mit Drive und Druck (z.B. den Megahit „Happy“ von Pharrell Williams). Ein „Déjà Vu“ entsteht beim Anhören zum Glück nicht, denn die Songs haben alle ihren eigenen unverwechselbaren Charakter, so geht kreatives Covern, so geht Innovation. Was für eine Perle zeitgenössischer Musik! (No Format/Indigo) HuGe

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