altemaelze

Rock is my Religion

Lessmann/Voss

Kann man haben, muss man aber nicht!

Mit „Rock is my Religion“ tritt Claus Lessmann, seines Zeichens ehemaliger Sänger von Bonfire, auch Dank der Mithilfe von Michael Voss (ehemals u.a. Mad Max) zurück ins musikalische Lampenricht als Projekt Lessmann/Voss. Wer nun ob des Labels Atomic Fire (ehemalige Nuclear Blast Leute) knalligen Metal oder mehr erhofft liegt hier falsch. Geboten wird fluffiger Hard Rock, gepaart mit Pop und etwas Country, der gut geeignet ist für eine Fahrt mit dem Cabrio oder einer Runde im Pool bei laufendem Formatradio, der keinem weh tut. Die Scheibe ist recht gut produziert (kein Wunder bei den Bands für die Voss schon die Regler schob), hat für mich aber nie das Gefühl, es handle sich hier um eine Band. Bis auf die Drums spielt Voss auch alle Instrumente selbst. Beim Einstieg in die Scheibe sollte man sich vom eher gräßlichen „Medicine Man“ mit seinen „oh oh oh und Reim mich sonst Schlag ich dich“-Lyrics nicht abhalten lassen sich den Rest des Albums trotzdem zu Gemüte zu führen. Ab da wird es nämlich besser. „Smoke without a Fire“ ist zwar kein 38 Special Song oder Bad Company Cover, hört sich aber so ähnlich an. „Runaway Days“ kling wie Bon Jovi in den 80er Jahren zu „Runaway“ Zeiten. „Slow Dance“ hat den Blues, zumindest ein bisschen davon.  Der Titelsong hätte 1995 mit seiner Talkboxeinlage auch auf einer Bon Jovi CD aus dieser Zeit („These Days) eine gute Figur abgegeben und ist einer der besseren, mit mehr Schmackes dargebotenen Songs. Es gibt Balladen und Balladeskes  á la Europe wie „Fight for our Love“ oder „Take my heart and run“ (wo der echte Rocker vermutlich nur das „run“ wählt“). Dann folgt eine Gotthard Kopie von „Anytime, Anywhere“, die hier „What feels right“ heißt, sowie mit „Look around“ und „Stay“ noch zwei weitere Nummern, die auch auf den letzten Alben der Schweizer eine gute Figur gemacht hätten. Vor allem „Stay“ gefällt mir außerordentlich gut. Ob es nun ein America Cover von „Sister golden Hair“ in einer fast schon Countryversion braucht inklusive Pedal Steel Guitar? Generell fehlt der Scheibe der rechte Biss und auch die Soli sind eher schlicht, simpel und kurz. Kann man haben, muss man aber nicht. Bei Bonfire zu „Fire Works“ Zeiten war er jedenfalls besser und mit mehr Schmackes unterwegs. Das Ganze ist echt nett, hebt die Musikwelt aber nicht aus den Angeln und ich bezweifle ob es hier eine Nachfolgescheibe geben wird. Von meiner Seite gibt es noch vier Sterne. Bei YouTube kann man sich im offiziellen Channel ja dennoch mal einen kleinen Höreindruck verschaffen. (Atomic Fire) HJH

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