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Paweł Althamer – Performance „Common Task“

Althamer kommt mit seiner goldenen Crew im August nach Regensburg

Dieses Mal reist er in Begleitung seines in goldene Ganzkörperanzüge gekleideten Teams an, das am 13. und 14. August in der Stadt und vor dem Museum anzutreffen sein wird.

Nach der Vernissage seiner Ausstellung „Paweł Althamer. Lovis-Corinth-Preis 2022“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie besucht der Künstler Paweł Althamer nun erneut Regensburg. Dieses Mal reist er in Begleitung seines in goldene Ganzkörperanzüge gekleideten Teams an, das am 13. und 14. August in der Stadt und vor dem Museum anzutreffen sein wird. Es handelt sich um die Performance „Common Task“, die Althamer seit 2008 mit Familie und Freunden immer wieder weltweit an verschiedenen Orten durchführt. Nach Regensburg hat der Künstler einige Mitglieder der Nowolipie-Gruppe eingeladen. Mit diesem Kreis an Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, arbeitet Althamer bereits seit knapp 30 Jahren zusammen. Einige ihrer Gemeinschaftswerke sind in der Ausstellung zu sehen. Der Katalog, der ab sofort erhältlich ist, zeigt alle ausgestellten Werke und gibt Einblick in die Hintergründe von Althamers Schaffen.

Am Samstag, 13. August und Sonntag, 14. August 2022, kommt der Künstler Paweł Althamer nach Regensburg. Bereits beim ersten Besuch anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Paweł Althamer. Lovis-Corinth-Preis 2022“ am 2. Juni im Kunstforum Ostdeutsche Galerie überraschte er die Gäste mit einer kleinen Performance. Als der Träger des Lovis-Corinth-Preises 2022 seine Auszeichnung entgegen nahm, lud er alle Anwesenden ein, sich mit ihm gemeinsam fotografieren zu lassen. Nun kann sich die Stadt auf ein größeres Event freuen – die Performance „Common Task“.

Dieses Mal bringt Althamer seine goldene Crew mit. Männer, Frauen, Familienmitglieder und Freunde, alle ganz in Gold gekleidet, einige von ihnen im Rollstuhl, ziehen durch die Straßen. Es wird viel gelacht und gesungen. Am Museumsvorplatz gibt es zusätzlich weiteres Programm. Hier werden die goldenen „Common Taskler“ am Samstag von 14 bis 16 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 12 Uhr auch gestalterisch tätig sein. Vor allem kommen sie aber mit PassantInnen und MuseumsbesucherInnen ins Gespräch und lassen den Funken überspringen – gute Laune verbreitet sich. Zwischenmenschliches zu stärken, darum geht es. „Gemeinsam unterwegs zu sein, Emotionen und Gefühle zu teilen sowie gemeinsame Eindrücke, wenn man neue Orte besucht und schließlich zu erkennen, wo wir stehen und wohin wir gehen möchten,“ beschreibt Paweł Althamer was für ihn „Common Task“ bedeutet in einem Interview zu der Performance in Bozen 2012.

Der polnische Künstler Paweł Althamer arbeitet gerne mit anderen zusammen. Das gemeinschaftliche Schaffen, Teilhabe und Inklusion sind natürlicher Bestandteil im künstlerischen Prozess. Seine Performances – insbesondere „Common Task“ – sind ein gutes Beispiel hierfür. Seit 2008 lädt Paweł Althamer Verwandte, FreundInnen, NachbarInnen und KünstlerInnen zu Reisen ein. So tauchen an verschiedenen Orten auf der Welt immer wieder kleine oder auch größere Gruppen mit bis zu 150 Personen auf, alle in goldenen Ganzkörperanzügen. Angeregt vom Glauben der Dogon aus Mali und der Thiaoouba Prophezeiung, inszenieren sie so einen Besuch von Außerirdischen. Tatsächlich ist eine spirituelle Dimension für Althamers Schaffen charakteristisch, ohne jedoch von einer konkreten religiösen Auffassung geprägt zu sein. Vielmehr eint er verschiedene mystische Theorien.

Die erste Common-Task-Reise außerhalb von Polen fand am 4. Juni 2009 nach Brüssel mit einem goldlackierten Flugzeug der polnischen Fluggesellschaft LOT statt. Mit der Aktion feierte Paweł Althamer den 20. Jahrestag der ersten freien Wahlen im postkommunistischen Polen. Es folgten weitere Fahrten unter anderem nach Brasilien, Großbritannien und Mali/Westafrika (2009); München (2012), Aachen (2014), Italien, Minsk/Belarus (2012); Zypern (2015).

In Regensburg begleiten Althamer neben Familienangehörigen einige Mitglieder der Nowolipie-Gruppe. Es sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Keramikkurse für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Seit 1993 trifft sich Althamer jeden Freitag am Warschauer Staatlichen Kunstzentrum (Państwowe Ognisko Artystyczne) in der Nowolipki-Straße mit ihnen. Seiner langjährigen Kooperation mit der Nowolipie-Gruppe widmet die Ausstellung im KOG ein ganzes Kabinett.

Der Schwerpunkt der Ausstellung „Paweł Althamer. Lovis-Corinth-Preis 2022“ liegt auf Paweł Althamers kollaborativem und partizipativem Ansatz. Neben Gemeinschaftswerken der Nowolipie-Gruppe sind in der Präsentation auch weitere Arbeiten zu sehen, die Althamer zusammen mit Künstlerkollegen und Familienmitgliedern erstellt hat oder an denen Ausstellungsbesucher oder Leute von der Straße beteiligt waren. Insgesamt umfasst die Zusammenschau rund 40 Skulpturen, Plastiken, Zeichnungen, Collagen, Videos, Videoinstallationen und Mixed-Mediaarbeiten. Der begleitende Katalog bildet alle ausgestellten Werke ab. Einen Einblick in sein Kunstverständnis gibt der Künstler in einem Interview, welches Kuratorin Agnes Tieze zusammen mit dem polnischen Kunsthistoriker Karol Sienkiewicz mit ihm geführt haben. Der ausgewiesene Althamer-Kenner geht in einem weiteren Beitrag näher auf die Persönlichkeit des Künstlers ein und zeigt die Hintergründe seiner Arbeit auf. Der Katalog, erschienen im Kerber Verlag, ist ab sofort für 18 Euro an der Museumskasse erhältlich oder über die Website bestellbar. Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie ist bis 11. September 2022 zu sehen.

(Fotokredit: Paweł Althamer, courtesy Paweł Althamer, neugerriemschneider, Berlin und Foksal Gallery Foundation, Warschau und Open Art Projects, Warschau, Foto: Adam Przywara)

 

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