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Ben Zucker & Band

Kritik zum Konzert am 19. Juli bei den Thurn & Taxis Schlossfestspielen in Regensburg

Ganz viel Puderzucker für die Seele – Ben Zucker begeistert mit seiner achtköpfigen Band das feierwütige Publikum bei den Schlossfestspielen

Nein, auch im Lande Pop geht’s einfach nicht ohne die Kraft des Süßen: Rod Stewart eröffnete seinen größten Hit mit einem lasziven „Sugar!“. Barry White beschwor mit raunendem Bass, dass ihre „Sweetness“ erst seine „Weakness“ bedingt. Und der italienische Blues-Sänger Adelmo Fornaciari? Nennt sich kurzerhand „Zucchero“. Auf solche Energien setzt auch der 1983 geborene Benjamin Fritsch – und nennt sich als Schlagerstar Ben Zucker. Als solcher ist der Berliner seit mittlerweile fünf Jahren ziemlich erfolgreich. Er war schon mit Helene Fischer auf Tour und seine beiden jüngsten Longplayer landeten auf Platz 1 der Album-Charts. Auch hier im fürstlichen Schlosshof ist die Bude rappelvoll. Die Gäste vereint in ihrer aus allen Poren quellenden Feierlaune.

Denn: Sie sind scharf auf Süßes. Ben Zucker setzt in seiner mitreißenden zweistündigen Show auf ein recht weitstreuendes Konzept: Musikalisch ist das alles ziemlich rockig angelegt. Seine beiden Gitarristen lässt er oft von der Leine, beim Solieren ebenso, wie wenn es drum geht, mit Riffs solide rhythmische Grundlagen zu schaffen. Und er selbst? Der Chucks und ein Holzfällerhemd tragende Sänger mit der gelgestützten Teddie-Frisur zeichnet sich durch das aus, was man „Reibeisenstimme“ nennt. Im Pop-Business wird ein solches Organ mit Gold aufgewogen. Weil so die beschworenen Gefühle tausendmal stärker wirken. Rod Stewart weiß darüber ein ebenso erfolgreiches Lied zu singen wie Hans Hartz, der in den 1980er Jahren nicht nur mit weißen Tauben, sondern auch mit „Sail away“ große Hits landete. Das Bild, das die Yellow Press von Ben Zucker zeichnet, es spiegelt sich in seiner Songlyrik. Da stilisiert sich einer zum einsamen Wolf, der aus bitterer Erfahrung („Sag‘ mir, wie konnte das passieren / Dass wir uns je verlieren?“) um die Vergänglichkeit der Liebe weiß. Und der deshalb sein Leben immer wieder umprogrammieren muss, auf Anfang. Gleichzeitig stehen ihm aber für die Glücksbeschwörung lediglich Leerformeln der Selbst-Motivation zur Verfügung. Die er körpersprachlich unterstreicht: Er ballt die Rechte zur Faust. Kniet sich rein. Oder stellt ein Bein auf die Monitorbox und signalisiert so: Es geht aufwärts! Trotzdem: Textlich ist das eine ziemlich dünne Suppe, weil keine Lehren gezogen werden, aus dem Scheitern. Und der Blick stets auf ein vermeintlich besseres Morgen gerichtet ist. Aber, zugegeben: Wer wirkliche Lebensberatung nötig hat, ist beim Schlager ohnehin an der falschen Adresse. Dessen Kerngeschäft freilich, das der reflexionslosen Unterhaltung – das beherrscht dieser Shooting Star inklusive seiner „Zuckerfamilie“ genannten achtköpfigen Crew aus dem Effeff. Und erreicht seinen Höhepunkt, als sie deutschen Hiphop von „Tic Tac Toe“, „Deichkind“ und „Fettes Brot“ zitieren. „Coole Mädchen – Kampfeinsatz!“, heißt das bei ihnen. So dass am Ende das Gefühl einer ungesunden Fressattacke bleibt: Hat alles richtig gut geschmeckt. Geistige Nahrung freilich bietet ein solcher Fastfood-Betrieb keine. (Peter Geiger)