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Lieder am See 2022

Kritik zum Festival am fränkischen Brombachsee am 16. Juli 2022

Auf der Bühne: Stinger, UFO, The Hooters, Saga und Deep Purple

Traumwetter am Brombachsee! Und ebenfalls ein Traum: Das Line-up des Lieder-am-See-Festivals 2022. Leider mussten THE SWEET krankheitsbedingt absagen. Kurzfristig sprangen STINGER ein und versuchten erst gar nicht ein Hitpaket wie The SWEET zu ersetzen. Vom ersten Moment an setzten sie mit ihrem Riff getränkten Hardrock eigene Akzente und schafften es damit in kürzester Zeit, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen und zu überzeugen. Die positive Ausstrahlung der Band tat ein Übriges und machte Lust auf mehr.

Die letzten Bestellungen (analog dem Tourmotto Last Orders) lieferten anschließend UFO aus. Eine glänzend aufgelegte Band, allem voran auch ein stimmlich großartig klingender Phil Mogg, rockte sich die Seele aus dem Leib und bot alle ihre Hits. Wie gewohnt ließ das ausufernde „Rock Bottom“ im Mittelteil jede Menge Zeit zum Improvisieren. Schade, dass es nach 60 Minuten vorbei war und die Band die volle Spielzeit nicht nutzte. Letztendlich war es aber trotzdem purer Spaß, den die Band vermittelte.

Und der Spaß wurde von THE HOOTERS noch gesteigert. Fünf Mikrofone am Bühnenrand zeigten, dass man es mit fünf Sängern zu tun bekam. Denn so eingängig die Hits der Band auch sind, die oft mehrstimmigen Arrangements und ausgetüftelten Instrumentierung sind der entscheidende Punkt auf dem „i“. Mit „I’m Alive“ ging die Band in die Vollen und ließ keinen Hit aus: „Johnny B“, „Karla With A K“, „Satellite“, „All You Zombies“, „Give The Music Back“ und mehr. Als Zugabe dann das obligatorische „Major Tom“ von Peter Schilling. 12.000 sangen aus voller Kehle mit und setzten einen grandiosen Schlusspunkt unter diesen 75 Minuten-Set. Besonders auffällig auch das Agieren der Band untereinander: Hier stand eine Einheit auf der Bühne.

Ganz anders der Eindruck bei SAGA. Eins vorweg: Ich mag diese Band, habe sie sehr oft in tollen Konzerten erlebt, erstmals 1981 im Münchener Löwenbräu Keller und zuletzt 2016 in Fürth und Bayreuth und 2017 im Obertraublinger Airport. Die Show am Brombachsee aber wirkte wenig homogen und, wenn auch nicht unbedingt lustlos, so doch wenig motiviert. Der Sound wurde dominiert vom überlauten Ian Crichton an der Gitarre, der leider vieles niederfudelte und dessen Finger dabei auch nicht unbedingt den geöltesten Eindruck machten. Alle Hits waren im Programm. Sie zeigten, dass die Band nicht umsonst so erfolgreich ist, und ließen auch bei diesem Konzert die Fans freudig feierten. Aber trotzdem: die Kanadier können es besser – viel besser.

Um zwei Ligen aufwärts ging es dann beim Headliner Deep Purple. Schon der Auftakt-Akkord zu „Highway Star“ machte die Dimension klar, in der die Band 2022 spielt. Wuchtig und mächtig ging’s über in „Pictures Of Home“. Mit dem grandiosen Simon McBride als Jungbrunnen an der Gitarre, verließ sich die Band nicht nur auf bekannte Songs, sondern spielte auch Titel aus den beiden letzten Alben. Und wer sich nicht vorstellen kann, dass man immer wieder hört, dass Deep Purple eigentlich eine Jazzband seien, der bekam bei den ausufernden Instrumentalteilen einen guten Eindruck von der musikalischen Qualität des Quintetts. Besonders auffällig: Ian Gillans Stimme ist fast wieder bei alter Stärke (nein, da wurde nicht getrickst) und so kam auch „When A Blind Man Cries“ wunderbar rüber. Auch die Interaktion der Band mit ihrem derzeitigen Gitarristen fiel ins Auge. Da scheint nicht nur im musikalischen Zusammenspiel alles zu passen. McBride hat ein gutes Gefühl dafür, welche Teile der teils epischen Soli er übernimmt und wo er seine eigenen, beeindruckenden Akzente setzt.

Fazit: Auch ohne THE SWEET war es ein wunderbares Festival am Ufer des Brombachsees, das – nach zweimaliger Verschiebung – verdientermaßen ausverkauft war. Bleibt nur noch der Hinweis, dass THE HOOTERS am 28. Juli in Regensburg beim Piazza-Festival spielen. (acb)

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